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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1901-01-01 · 4 (1901) · p. Seite 84

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Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
4 (1901)
Article
Jüdische Märtyrer im christlichen Kalender
Date
1901-01-01
Page
Seite 84 (sequence 15)
Language
German
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84 jüdisch-bocharischen Dichters Joseph erfreut sich bis heute großer * Beliebtheit. Sie erhielt sich unter den Inder: Bucharas in zahlreichen Handschriften und erschien im Jahre 1884 in Jerusalem auch im Drucke. Wer weiß, ob nicht die bocharischen Juden einer uralten Sitte folgten, wenn sie iit den Trauertagen des Ab gerade die Geschichte der sieben Märtyrer lasen, und ob nicht diese Sitte ein Nachklang jener Verehrung ist, mit welcher einst in Antiochien im Monate Ab das Gedächtnis; der Märtyrer-Brüder belebt wurde und aus welcher die Bedeutung des ersten August im christlichen Kalender hervorgegangen ist? Der griechische Mythos kennt eine ergreifende Gestalt, die der Mutter. der makkabäischen Märtyrer ähnlich ist: es ist Niobe, die unglückliche Tochter des Tantalus, vor deren Augen ihre Kinder, sieben Söhne und sieben Töchter, sterben. Alle werden von den sichertreffenden Pfeilen Apollons und der Artemis gelobtet; und Niobe, nachdem sie den entsetzlichsten Schmerz des Mutterherzens vielfach erlitten hatte, erstarrt zu Stein. Aber welcher Gegensatz zwischen der Makkabäermutter und Niobe! Niobe strafte der Zorn erbarmungsloser Götter, weil sie in prahlerischer Rede ihren mütterlichen Hochmuth geäußert hatte. Die Mutter der makkabäischen Märtyrer opferte, im Vertrauen auf den erbarmenden Gott, mit der Demuth einer gläubigen Seele ihre mütterlichen Empfindungen und eifert selbst ihre Kinder zum qualvollen Tode an. Niobe und ihre Kinder werden von den Göttern getödtet; die makkabäischen Brüder und ihre Mutter lassen sich freiwillig für ihren Gott tödten. Verzweiflung umgiebt den Tod der Niobiden, Hoffnungslosigkeit gesellt sich zum Schmerze ihrer Mutter; Glaube und Hoffnung haberr bis zu Ende eine Stätte im Herzen dieser Märtyrer-Brüder und lindern den Schrnerz ihrer Mutter. Die zu Stein erstarrte Niobe ist das Sinnbild des der Vernichtung geweihten Heidenthums: die in ihrem Schmerz Gott bekennende und Gott preisende

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