Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 4 (1901)
- Article
- Jüdische Märtyrer im christlichen Kalender
- Date
- 1901-01-01
- Page
- Seite 80 (sequence 11)
- Language
- German
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80 die Erzählung des Talmud und Midrachs vielfach der Erzählung der griechischen Quelle. Hier wie dort legt jeder einzelne Bruder ein Glaubensbekenntniß ab, bevor er in den Tod geht. Nur daß sie es in der griechischen Quelle mit wortreicher und mannigfaltiger Beredsamkeit thun, während in den hebräischen Quellen jedem Bruder je ein Bibelvers in den Mund gelegt ift, mit dem er die Einheit Gottes bekennt. Hier wie dort eifert die Mutter ihre Kinder an, eher zu sterben, als dem Befehle des Tyrannen zu gehorchen. Hier wie dort will der Tyrann den jüngsten Bruder retten und durch freundliches Zureden von der Befolgung des durch die Brüder gegebenen Beispiels abhalten. In der einen der griechischen Quellen weist die Mutter auf das Beispiel Abrahams, des seinen Sohn aufzuopfern bereiten Vaters, und Isaaks, des freudig gehorchenden Sohnes, hin;^) in der hebräischen Quelle nimmt die Mutter von dem letzten Sohne mit folgenden Worten Abschied:^) „Mein Sohn, verzage nicht! Du gehst zu Deinen Brüdern und wirst mit ihnen im Schooße Abrahams, unseres Vaters, sein; sage ihm in meinem Namen: Du hast nur einen Altar errichtet, um Deinen Sohn zu opfern, aber es war nur eine Versuchung und Du mußtest ihn nicht in Wirklichkeit opfern; ich hingegen habe sieben Altäre errichtet und alle meine sieben Söhne Gott zum Opfer dargebracht." Trotz dieser Aehnlichkeit braucht man nicht anzunehmen, daß die im Talmud und Midrasch zu lesende Erzählung aus der griechischen Quelle geflossen ist. Beide beruhen auf derber Märtyrerin und ihren sieben Söhnen (nach Echa rabbathi); sie heißt dort die „fromme Mirjam". Im Josippon (Cap. 19) ist das Martyrium im richtigen Zusammenhänge, auf Grund des zweiten Makkabüerbuches, erzählt. Die Mutter heißt dort Channa. Das beruht darauf, daß ihr am Schlüsse der Erzählung der Psalm Channa's, der Mutter Samuels (I. Samuel, 2), mit entsprechender Verwendung seiner einzelnen Sätze, in den Mund gelegt ist. Dem Josippon entnahm die Erzählung die Chronik Jerachmel's, die von Gaster in englischer Uebersetzung edirt wurde (The Chronicle of Jerahmel, London 1899. S. 263—267). 29) IV. Makkab. 16, 20 (vgl. 14, 20; 15, 28). so) Echa rabbathi a. a. O. In den „Maasijoth" sagt sie es jedem Einzelnen, ebenso im Talmud.