Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 4 (1901)
- Article
- Jüdische Märtyrer im christlichen Kalender
- Date
- 1901-01-01
- Page
- Seite 79 (sequence 10)
- Language
- German
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79 trauervollen Erinnerungen, die sich an die letzten Kämpfe gegen die römischen Unterdrücker knüpften. Die Stelle des Antiochus Epiphanes nimmt der Kaiser ein, und der Tod der sieben Brüder wird mit den Nachrichten und Legenden in Verbindung gebracht, die sich auf die Zerstörung Jerusalems und auf den letzten großen Kampf gegen Hadrian beziehen. In solchem Zusammenhänge lesen wir die Erzählung vom Martyrium der sieben Brüder im babylonischen Talmud.^) Dort geht ihr der Ausspruch eines berühmten Amora ' des dritten Jahrhunderts^) voraus, wonach die Psalmworte^): „um deinetwillen wurden wir alle Tage getötet", eine Anspielung auf den Tod der sieben Brüder und ihrer Mutter enthalten. Und im palästinensischen Midrasch knüpfte man die Erzählung von den Märtyrer-Brüdern an die Worte der Klagelieder^): Ob dieser weine ich!^) Die babylonische und die palästinensische Erzählung haben dieselbe Grundlage, nur daß die letztere ausführlicher ist und auch den Namen der Mutter der Märtyrer kennt: Mirjam, die Tochter Tanchums.^) Vielleicht hat eine wirkliche, in die Epoche der syrischen Verfolgungen reichende Ueberlieferung den dlarnm bewährt. Aber wahrscheinlicher ist es, daß die Tradition den Namen einer späteren Frau, die ein ähnliches Schicksal erlitten hatte, in die Legende von den sieben Brüdern einfügte.^) Uebrigens gleicht 23) Gittin, 57 b. 24) Jehuda b. Jecheskel, der Gründer der Schule von Pumbeditha. 25) Psalm 44, 23. 20) Echa rabbathi zu 1, 16. Kürzer, zum Theile mit neuen Zügen, die den Einfluß des zweiten Makkabäerbuches zeigen, in Pesikta rabbathi, Cap. 43 (180b). — Die Version in Elija rabba Cap. 30 stammt aus Echa rabbathi; der Kaiser heißt dort Hadrian. Im Midrasch der zehn Gebote (Beth-Harnmidrasch I, 70) bildet der Talmud die Grundlage der Erzählung. 27) In der gewöhnlichen Ausgabe des Echa rabathi ist Tanchum irrthümlich zu Nachtum („Bäcker") geworden. S. Zeitschrift d. Dtsch. Morgenl. Gesellschaft, LIII, 694. 28) Mirjam, die Tochter Tanchums, kommt noch in einer anderen Erzählung an der angeführten Stelle des Echa rabbathi vor, ebenfalls als Beispiel frommer Gesinnung, die sie bei einem unbedeutenden Vorfälle bewährt. — Im Maasijoth-Buche, das Gaster edirt hat (im Jahresberichte-des Judith-Montefiore-College in Ramsgate für 1896), findet sich unter Nr. 57 (S. 35) in gekürzter Form die Erzählung von