Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 4 (1901)
- Article
- Jüdische Märtyrer im christlichen Kalender
- Date
- 1901-01-01
- Page
- Seite 78 (sequence 9)
- Language
- German
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78 zeit, Otto Ludwig, der in seinem bekannten Drain die Geschichte der Siege der Makkabäer mit der Legende von den Märtyrer - Brüdern in einander webt und zur Hauptgestalt der Tragödie, die heldenmüthige fromme Mutter macht, die bei ihm Lea heißt und Gattin des Matthathias, Priesters von Modsin ist und deren Söhne theils auf dem Schlachtfelde, theils als Märtyrer dem Unterdrücker ihres Volkes und ihres Glaubens entgegentreten. Auch den alten Eleazar hat die Legende in engere Verknüpfung mit den Märtyrer- Brüdern gebracht, indem sie ihn bald ihren Erzieher, bald ihren Vater sein läjgt.21) Die Basilica der makkabäischen Märtyrer stürzte bei einem großen Erdbeben, das um die Mitte des sechsten Jahrhunderts Antiochien verwüstete, in Trümmer. Ihren Sarkophag brachte man nach Konstantinopel, von wo er nicht lange darauf, unter dem Papste Pelagius I. nach Rom gelangte, und zwar in dieselbe Kirche, deren Einweihung man an dem den Makkabäern gewidmeten Tage, dem ersten August, feierte.22) II. Auf dem Boden der griechisch redenden Judenheit ist die litterarische Verherrlichung des Martyriums der sieben Brüder, im zweiten und vierten Makkabüerbuche, erwachsen. Aber auch in der großen Masse der Judenheit, in Palästina und Babylonien, wo nach dem endgiltigen Aufhören des jüdischen Staates sich Israel auf alter traditioneller Grundlage zu neuem Leben organisirte, blieb das Andenken des wunderbaren Martyriums der sieben Brüder lebendig. Nur daß man es von der Geschichte der makkabäischen Siege loslöste. Das Gedächtniß der Märtyrer des makkabäischen Zeitalter verschmolz mit den 20) Die Makkabäer, Trauerspiel in fünf Aufzügen. — Außer den Söhnen des Mattathias, die Otto Ludwig unter ihrem geschichtlichen Namen auftreten läßt, giebt er ihm noch zwei Söhne: Joarim und Benjamin. So erhält er die Siebenzahl der makkabäischen Märtyrer. 21) S. Rampolla, 464. Die letztere Auffassung steht mit den ursprünglicher: Quellen über die makkabäischen Märtyrer in Widerspruch. 22) Rampolla, 458.