Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 4 (1901)
- Article
- Jüdische Märtyrer im christlichen Kalender
- Date
- 1901-01-01
- Page
- Seite 75 (sequence 6)
- Language
- German
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75 sein, die man für die Stätte ihres Grabes hielt. Wie das Licht der Geschichte zuerst auf diese Grabstätte fällt, ist sie bereits von der Pietät der Bekenner des Christenthums umgeben. Im vierten Jahrhunderte erhebt sich über dem Grabe der ungenannten Brüder, die jetzt schon Makkabäer heißen, eine christliche Basilika, die an der Stelle einer ehemaligen Synagoge erbaut war.^) Die Makkabäer hatten damals bereits ihren Tag, und an diesem Tage preist Johannes Chrysostomus mit der ganzen Macht seiner Beredsamkeit das Gedächtniß der jüdischen Märtyrer?) Den Ursprung dieses Cultus der makkabäischen Heiligen kennen, wir nicht. Aber wir dürfen annehmen, daß schon von alten Zeiten her mit jener alten Synagoge, an deren Stelle die mit dem Namen der Makkabäer Gezeichnete Basilika gebaut wurde, das Andenken der Märtyrer verknüpft war und daß unter den antiochenischen Christen, die zum Theile aus der jüdischen Gemeinde hervorgegangen waren, durch die Wirkung der Makkabäerbücher das Gedächtniß der Märtyrer lebendig wurde und sich festigte, bis sich endlich ein wahrhafter Cultus daraus entwickelte. Und so wurde den Märtyrern des makkabäischen Zeitalters anfangs in Antiochien, bald aber auch anderwärts, im Osten wie im Westen eine besondere Verehrung unter den Heiligen der christlichen Kirche zu Theil. Fand doch der christliche Gläubige in seinen heiligen Schriften — denn auch das zweite Makkabäerbuch gehörte zu ihnen — die Geschichte jener ersten Märtyrer, die als wahres Muster der Erzählungen betrachtet werden können, in welchen man die Leiden und die Standhaftigkeit der Blutzeugen des neuen Glaubens verherrlichte. Aber die Aufnahme der jüdischen Märtyrer unter die christlichen Heiligen geschah nicht ohne Widerspruch. Ein Zeitgenosse des Johannes Chrysostomus, Gregor von Nazianz sagt in einer Predigt über die Makkabäer/") daß diese, „ob- «) S. Rampolla, S. 381 ff. 0) Acta Sanctorum a. a. O. Cap. I., § 19, 20; Rampolla, S. 303. 10) Acta Sanctorum ib. § 18, Rampolla, ib. Die Rede „Oratio in laudem Macchabaeorum“ wurde vor 373 gehalten, und zwar im cappadocischen Antiochien.