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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1901-01-01 · 4 (1901) · p. Seite 74

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Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
4 (1901)
Article
Jüdische Märtyrer im christlichen Kalender
Date
1901-01-01
Page
Seite 74 (sequence 5)
Language
German
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74 sagt, nur Auszüge giebt, im Geschichtswerke des Jason von Kyrene; dieser aber lebte nur einige Jahrzehnte nach den erzählten Begebenheiten. Zu einem späteren ebenfalls griechisch geschriebenen Werke, das als viertes Makkabäerbuch bekannt ist, lieferte zum größten Theile das Martyrium Eleazars und der sieben Brüder den Stoff. In diesem Werke, das man früher fälschlich dem Geschichtsschreiber Flavius zugeschrieben hat, beweist ein philosophisch gebildeter griechischer Jude in rednerischer Form die These, daß die menschliche Vernunft über die menschlichen Triebe Herrin ist, und er baut seinen Beweis auf den im zweiten Makkabäerbuche erzählten Martyrien auf. Die Reden der Märtyrer bilden den eigentlichen Inhalt des Werkes. Schließlich verherrlicht der Verfasser seine Helden mit folgenden Worten, zunächst die Mutter der sieben Jünglinge apostrophirend:7) „Wenn es uns möglich wäre, wie aus einem Gemälde die Geschichte dieser Frömmigkeit zu malen, würde dann nicht ein Schauder alle die ergreifen, die eine Mutter von sieben Kindern um der Frömmigkeit willen die mannigfachsten Qualen erdulden sähen? Ja es wäre auch in der Ordnung, auf eben dieses Grabgemälde auch folgende Worte zum Gedächtniß für die Volksgenossen zu schreiben: Hier sind bestattet ein greiser Priester, ein greises Weib und sieben Knaben durch die Gewalt eines Tyrannen, der Willens war, der Hebräer Verfassung zu vernichten. Sie haben das Volk gerettet, zu Gott aufblickend und den Folterqualen bis in den Tod Stand haltend." Der Verfasser des vierten Makkabüerbuches fügte diese hypothetische Grabschrift um der rednerischen Wirkung willen an den Schluß seines Buches. Aber es kam eine Zeit, da in Antiochien eine wirkliche Grabschrift das Grab der gepriesenen Märtyrer bezeichnete. Es ist nicht wahrscheinlich, daß innerhalb der Judenheit von Antiochien das Gedächtniß der Stelle, an der man die Märtyrer beigesetzt hat, wirklich sich erhalten habe; aber später muß sich irgendwann das Gedächtniß der Märtyrer belebt haben und mit einer bestimmten Oertlichkeit des von den Juden bewohnten Theiles der Stadt verknüpft worden h IV. Makkab. 17, 7-10.

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