Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 4 (1901)
- Article
- Jüdische Märtyrer im christlichen Kalender
- Date
- 1901-01-01
- Page
- Seite 73 (sequence 4)
- Language
- German
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73 5 denselben für ewige Zeiten in die Geschichte des jüdischen Volkes, ja der Menschheit eingegraben haben. Bekanntlich bekam zuerst Juda, der Sohn des Mattathias den Beinamen Makkabi (Makkabäer), und zwar, wie man annimmt, weil er wie ein Hammer die Feinde niederschlug. Nach ihm nannte man seine Brüder, sowie die ganze Familie der Hasmonäer: die Makkabäer. Auch die Geschichtswerke, in denen die Thaten der hasmonäischen Helden und Fürsten erzählt werden, nannte man die Bücher der Makkabäer. In einem dieser Werke, dem zweiten Makkabäerbuche, lesen wir, ohne Nennung ihrer Namen, von jenen Märtyrern, welche die Kirche als die makkabäischen Brüder verehrt. Dieses Buch beleuchtet nämlich die grausamen Verfolgungen des Antiochus Epiphanes und die treue Anhänglichkeit des jüdischen Volkes an den väterlichen Glauben durch zwei Beispiele?) Es zeigt uns zuerst Eleazar, den greisen Schriftgelehrten, der ohne zu wanken die größten Qualen erleidet und mit seinem Tode den Jünglingen ein ermuthigendes Beispiel bietet. Und es zeigt dann das Märtyrerthum der sieben Brüder und ihrer Mutter, die einander aneisernd dem Befehle des Tyrannen trotzen und die auch der qualvollste Tod in ihrem Glauben nicht erschüttern kann. Diese Episode der syrischen Verfolgungen spielte sich nicht in Palästina, sondern wahrscheinlich in Antiochien ab, in der Residenzstadt des königlichen Verfolgers, unter persönlicher Mitwirkung des Königs/') Diesem Umstande kann man es zuschreiben, daß gerade diese beiden Fälle der Blutzeugenschast berühmt wurden unter all' den zahllosen Martyrien, welche die erbarmungslose Religionsverfolgung des Antiochus hervorgerufen hat und unter denen die Chronik jener traurigen Zeiten sonst kein einziges besonders hervorhebt. Es giebt keine ernste Ursache zu zweifeln, daß die Erzählungen von Eleazar und von den sieben Brüdern auf geschichtlicher Grundlage beruhen. Der Verfasser des zweiten Makkabäerbuches fand sie in jenem Quellenwerke vor, aus dem er, wie er selbst 5) n. Makkab. 6, 18 — 7, 42. 6) Rampolla a. et. Q. S. 202 ff. Vergl. Grätz, Geschichte der Juden, II 33., S. 317.