Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 4 (1901)
- Article
- Die Stellung der Semiten in der Weltgeschichte
- Date
- 1901-01-01
- Page
- Seite 68 (sequence 23)
- Language
- German
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68 berührt, bei weitem noch nicht vollendet; aber dieser Kampf kann und wird mit der Ruhe und Würde geführt werden, wie sie die rein wissenschaftliche Forschnng stets begleiten, durch welche nichts anderes erreicht werden soll als die interesselose Wahrheit. Es braucht uns wahrlich nicht zu verdrießen, wenn sich Herausstellen sollte, die Juden haben weder die Krankenhäuser, noch die Waisenhäuser erfunden. Wir können ruhig Nachweisen, wie sehr solche Vorwürfe dem Geiste der Geschichte widersprechen, und können zeigen, wie Sorge für die Kranken, auch die reichen, nicht blos die armen, und Sorge für Wittwen und Waisen von je her zum jüdischen Geiste gehörte, aber vielleicht ohne jene Erfindungen. Leid müßte es uns nur thun, wenn wir diese schönen Einrichtungen, nachdem sie üblich geworden sind, uns nicht angeeignet hätten, obwohl wir Veranlassung haben, sie anzuwenden. Darüber wollen wir allerdings wachen, daß wir jeden Fortschritt der Cultur, der unseren ererbten Bestrebungen förderlich werden kann, mit Aufbietung aller unserer Kräfte bei uns dankbar einführen. Daß wir für Nothleidende so gut und so umfassend sorgen, als Wissenschaft, Kunst und praktische Organisation thunlich machen — für nothleidende Nebenmenschen, ohne nach etwas anderem zu fragen, als nach ihrer Noch — das allein, und nicht ob wir die Ehre der Erfindung haben, soll uns am Herzen liegen; und gegen den Verwurf, daß wir das nicht thäten, wollen wir sehr empfindlich sein. Das Schlimmste wäre (aber es ist nicht zu fürchten). Wenn in Israel selbst tödtliche Spaltungen ausbrüchen. Es ist nicht zu fürchten; die Besonnenheit wird die Leidenschaft überwinden. So denke ich über unsere Bestimmung. Sie ist gar keine specielle, sondern durchaus nur die jedes Menschen. Wenn wir sie erfüllen, und so weit wir sie erfüllen, Rechtlichkeit, Liebe und Demnth, so haben wir das volle Recht des Daseins. Laßt uns mit aller Kraft danach streben, sie zu erfüllen, und wir können es ruhig lächelnd mit anhören, wenn man uns eine unbegrabene Leiche nennt; denn wer Gottes Gebote erfüllt, sagt der Prophet, der wird durch sie leben. Und wer die Phantasie von einem Greise, der nicht sterben kann und