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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1901-01-01 · 4 (1901) · p. Seite 66

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Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
4 (1901)
Article
Die Stellung der Semiten in der Weltgeschichte
Date
1901-01-01
Page
Seite 66 (sequence 21)
Language
German
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66 mynides, Mendelssohn ihre rechte Stellung und Würdigung und die Dichter Gabirol und Jude Halevi waren nicht nur in der lyrischen Poesie Größen, wie sie das europäische Mittelalter nicht hatte und Araber und Perser sie nicht übertroffen haben, sondern sie haben zugleich die jüdische Religion so rein und edel, so beziehungsreich und kräftig, so groß und erhaben gestaltet, wie die Religion keines mittelalterlichen Denkers war. Und endlich alle jüdischen Gelehrten des Exils haben daran mitgearbeitet, die heilige Schrift in ihrer Fassung unentstellt zu bewahren und ihr Verständniß theils unverkürzt zu erhalten, theils immer sicherer zu begründen. Ihnen also verdankt auch die historische Wissenschaft die Rettung eines unschätzbaren Denkmals' ohne ihre Bemühungen könnte man nicht am reinen Quell schöpfen, sondern , nur aus den trüben Wassern entstellender und entstellter Uebersetzungen. Das erwies sich damals von besonderem Gewicht, als das Christenthum durch die Reformatoren zum zweiten Male gegründet ward. Für den Protestantismus ward noch einmal der Judaismus zu einem schöpferischen Triebe. Nicht nur steht das protestantische Kirchenlied auf der Psalmenpoesie (ist doch manches gerade der schönsten und beliebtesten dieser Lieder nur die Variirung eines Psalmenthemas), sondern dadurch und durch Luthers Bibelübersetzung erhielt auch die deutsche Sprache selbst manche hebräische Wendung, Ausdrucksweise und Wortbedeutung. Ebenso ging es in England; und wenn die englische und nordamerikanische Freiheit den Puritanern etwas zu verdanken hat, nun, so ist auch in Anschlag zu bringen, daß die Puritaner stark vom alttestamentlichen Geiste genährt waren. Soll ich nun schließlich auch von der Zukunft reden? Von einer Bestimnmng der Juden für das nächste Jahrhundert und für alle Zeiten? Das muß ich ablehnen; ich bin kein Seher, der da schaut, was noch nicht ist, und kann mich auch nicht darauf einlassen, aus Begriffen oder aus Thatsachen die Zukunft spekulativ oder induktiv abzuleiten. Eins aber weiß ich, gerade das, was uns zu wissen noth ist: was wir zu thun haben! Wir leben jetzt als Bürger bestimmter Staaten, als Glieder bestimmter Völker und haben mit unseren Mitbürgern

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