Mannheim
Compact Memory

Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1901-01-01 · 4 (1901) · p. Seite 63

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
4 (1901)
Article
Die Stellung der Semiten in der Weltgeschichte
Date
1901-01-01
Page
Seite 63 (sequence 18)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
96% known words query
IRI
…/3111067-3111074-3111906--1008-3111986
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

63 Fanatiker des Jndogermanismus. — Auch Hindostan muß ich als ein indogermanisches Land nennen, das sich in weiten Strecken dem semitischen Geiste unterordnete. Wenn auch die tatarischen Stämme meist muhamedanisch geworden sind, wie auch die Malayen, so führte sie dies zu einem für sie erfreulichen Fortschritte, obwohl es für die Geschichte des menschlichen Geistes überhaupt nicht von Belang ist. Fragt man nach dem Werthe der muhamedanischen Cultur, so ist es schon etwas, was durchaus nicht gering angeschlagen werden darf, daß eine weite Erdstrecke mit vielen Millionen' Menschen einen höchst regen materiellen und geistigen Verkehr psiegen, so daß Gesänge von Mund zu Mund, von Cordova nach Bagdad und noch weiter östlich hin und her wunderten. Auch hat das ganze Leben, namentlich die Dichtung eine eigenthümliche Gestalt nnd zeigt uns den menschlichen Geist in einer individuellen Form. Ob dabei der Geist auf eine höhere Stufe gehoben wird, als er vorher im Denken und Handeln jemals eingenommen hat? Es mag sein, daß die Araber, wie das ganze Mittelalter, bei einer Ueberschau der Geschichte vom höchsten Standpunkte aus angesehen, nur als ein vermittelndes Glied zwischen dem hellenischen Alterthum und der neueren Zeit gelten können, und daß sie, wie zeitlich, so auch räumlich das Morgenland mit dem Abendlande in Berührung brachten — vielleicht thaten sie nicht mehr; und doch wäre auch dies nicht gering anzuschlagen. Ganz ohne eigene Entdeckungen und Schöpfungen waren sie aber gewiß nicht. Sind sie auch nicht die Erfinder der Zahlzeichen, die sie vielmehr aus Indien holten, so sind sie doch sicherlich um die Arithmetik, besonders die Algebra, auch um die Astronomie, die Chemie und Medicin nicht ohne wesentliches Verdienst. Auch in der Sprachwissenschaft haben sie höchst Beachtenswertstes geleistet. Ein bestimmteres Urtheil ließe sich nur aussprechen, wenn es gestattet wäre, tiefer in die Sache einzugehen. Darum gedenke ich auch der Philosophie der Araber nur obenhin, die Bestimmung ihres Werthes würde eine weite, tief eingreifende Darlegung erfordern. Und was die Kunst betrifft, so haben sie außer der Poesie noch in der Baukunst einen eigenthümlichen Styl geschaffen.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.