Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 4 (1901)
- Article
- Die Stellung der Semiten in der Weltgeschichte
- Date
- 1901-01-01
- Page
- Seite 51 (sequence 6)
- Language
- German
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51 geht auf die folgenden über; wie innerhalb eines Volkes jedes Geschlecht die Errungenschaft seiner Väter ererbt und weiter gebildet den Nachkommen übergiebt, so beerbt jedes Volk die älteren und hinterläßt seinen jetzigen Besitz den folgenden. So gelten, uns alle Völker, welche in der Weltgeschichte eine That hinterlassen haben, als Ideen einer idealen Entwicklung, eines Gedanken erzeugenden Vorganges. Babylonier, Phöniker, Hellenen, Römer, was sind sie anderes als Kulturformen, also Gedanken in einer zeitlichen Reihe von Gedanken? Den Inhalt unserer heutigen Bildung können wir geschichtlich zerlegen, und wir nennen dann den einen Teil hellenisch und den anderen babylonisch u. s. w. Und der hellenische Teil des heutigen Geistes ist das Beste, das Unsterbliche von Hellas, und ebenso ist der babylonische Teil in uns das Ewige von Babylon. Die Geschichte ist die Reihe der nacheinander auftretenden Ideen. — Neben dieser rein idealen Betrachtung aber geht eine andere her. Ist die Geschichte einerseits nichts anderes als eine Gedanken-Erzeugung, so ist sie andererseits zugleich die Einrichtung in der Wirklichkeit, durch welche sich diese geistige Produktion vollzieht. Sie ist die Gedanken- Fabrik, deren Erzeugnis unsere heutige Bildung ist; die Völker sind die Teile, die verschiedenen Einrichtungen dieser Fabrik, durch welche ein Rohstoff hindnrchgehen muß, um aus jedem der einzelnen Apparate immer reiner und immer feiner gestaltet hervorzukommen. So mußte der anfänglich rohe Gedanke der Menschheit durch die Völker der Geschichte hindurch, um von jedem in bestimmtem Maße weiter gestaltet dem andern zu weiterer Verarbeitung übergeben zu werden. Ein weltgeschichtliches Werk verstehen, schließt also eine doppelte Aufgabe in sich, wie auch das Verständnis eines einzelnen Apparates einer Fabrik. Denn wie letzteres erfordert, daß man erstlich wisse, welchen Teil der Gesammtarbeit der Fabrik der besondere Apparat zu vollziehen hat, und dann zweitens, wie er gebaut und eingerichtet und mit anderen Apparaten verbunden ist, um solche Leistung herzustellen, so muß man auch erforschen, erstens welche Idee als einzelnes Moment der gesammten geschichtlichen Entwicklung ein Volk zu verwirklichen hatte, und zweitens wie dieses Volk körperlich und geistig begabt war, wie es von der Natur seines 4*