Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 4 (1901)
- Article
- Die Stellung der Semiten in der Weltgeschichte
- Date
- 1901-01-01
- Page
- Seite 48 (sequence 3)
- Language
- German
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48 Söhne von Deutsch: so reden wir nicht. In solcher Weise aber drückt sich der Hebräer aus und jedes Volk in seiner Sprache. Zu rühmen aber wäre unser Kapitel'deswegen, daß es einen Fehler vermieden hat, den sich die Gelehrten noch im Anfänge dieses Jahrhunderts zu Schulden kommen ließen. Sie glaubten z. B., die Römer stammten von den Griechen, diese von irgend einem asiatischen Volke ab. Im Pentateuch dagegen werden, wie auch die heutige Wissenschaft thut, fernere und nähere Verwandtschaften der Völker unterschieden, aber es wird nicht ein Volk zum Vater des andern gemacht, sondern zum Bruder oder zu einem fernerem Verwandten, denn, in Wahrheit: von den uns bekannten Völkern ist keins der Vater des andern. Es versteht sich weiter von selbst, daß die siebzig Völker, welche unser Kapitel nennt, nur einen kleinen Theil der Menschheit umfassen, obwohl sie allerdings gerade die wichtigsten sind. Noch unbekannt sind nicht bloß die Bewohner Amerikas und der Inseln des großen Ozeans, sondern auch des inneren Afrikas, Süd-, Ost- und Nord-Asiens und Europas; bekannt ist nur Vorder-Asien mit Arabien, die Inseln des mittelländischen Meeres und theilweise die mittelländischen Küsten Europas und Afrikas und mehr nicht; also nur ein kleiner Theil der Erde. Dagegen ist nun wieder höchst bemerkenswerth der richtige Takt, mit welchem die damals bekannten Völker in drei Gruppen verteilt werden: semitische, japhetische und chamitische. Auch die Wissenschaft erkennt diese drei Völkerstämme an, natürlich im Einzelnen die Ansicht des Hebräers ergänzend und berichtigend. Als chamitisches Volk nennen wir heute nur die Aegyter und einige Nachbar-Stämme. Denn die dunkelfarbigen Ureinwohner Afrikas und Indiens, welche im Pentateuch ebenfalls als Söhne Chams aufgeführt werden, bringen wir nicht in Verwandschaft mit Aegypten. Zu dem semitischen Stamm rechnen wir: erstlich die Babylonier, die Assyrer und Syrer, dann zweitens die Völker Palästinas, d. h. die Phöniker, Kananiter, Philister, Ammoniter und Moabiter, Edomiter und die Israeliten; drittens die Lyder im alten Klein-Asien; viertens die arabischen Stämme und die Aethiopen. Es ist rätselhaft, warum die alte Urkunde die Phöniker und Kananiter nicht zu dem semitischen Stamm,