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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1901-01-01 · 4 (1901) · p. Seite 47

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Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
4 (1901)
Article
Die Stellung der Semiten in der Weltgeschichte
Date
1901-01-01
Page
Seite 47 (sequence 2)
Language
German
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47 Einzelnen viele der darin gemachten Angaben völlig dunkel sind, ist bei dem hohen Alter der Urkunde leicht begreiflich; ebenso begreiflich, daß uns das Wichtigste hinlänglich klar ist. Und wie steht die heutige Wissenschaft zu dieser Ethnologie der alten Hebräer? Was sagt unsere Ethnologie und Geographie dazu? — Sie ehrt in jenem Kapitel des Pentateuchs ein sehr altes Denkmal menschlichen Wissens und sucht es nach seiner ganzen Anschauungsweise geschichtlich zu begreifen. Sie bekrittelt es nicht und läßt es nicht als unfehlbare Wahrheit gelten; sie sucht es zu verstehen. Mit einigem darin stimmt sie uberein, mit anderem nicht. Womit ja? und womit nicht? das will ich sogleich sagen. Nur muß ich eine Bemerkung vorausschicken. Für die religiöse, für die sittliche Bedeutung dieses Dokumentes ist die wissenschaftliche Richtigkeit, feiner Angaben im mindesten nicht maßgebend. Hier, wie bei der Erzählung von der Schöpfung des Himmels und der Erde und des ersten Menschenpaares kommt alles auf den ausgedrückten Grundgedanken, kommt es lediglich auf die Idee an, welche sich in jenen Vorstellungen kund giebt. Nun denn: Die Griechen, die Germanen u. s. w. hatten sich in ihrem Mythus einen Stammbaum der griechischen, der germanischen Völker oder Staaten gebildet; aber wo ist ein Volk, das in seiner Urgeschichte einen Stammbaum der ganzen bekannten Menschheit versucht hätte? Die heidnischen Völker sind mit ihrem Blicke nicht über ihren eigenen Kreis hinausgegangen; jedes erzählte von seinem eigenen Ursprünge, als wäre das der Ursprung der Menschheit; woher die anderen Völker der Erde, fragte keines. Dem Propheten aber lag jedes Volk am Herzen; er wünscht jedem sein Glück und klagt mit jedem über dessen Unglück, selbst das verschuldete Unglück. Ihm sind alle Völker eine Familie Noah's, und er weiß sein Volk nur als ein einziges sehr junges Glied dieser großen Familie. Vor der Größe dieses Gedankens tritt die Form zurück. Wir reden freilich nicht mehr so, deß wir sagten, jedes Volk stamme von einem Vater, von dem es auch den Namen trage. Wir sagen nicht, die Sachsen sind die Nachkommen eines Mannes Namens Sachs, und die Preußen die Kinder eines Mannes Namens Preuß; Sachs und Preuß aber waren die

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