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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1901-01-01 · 4 (1901) · p. Seite 34

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Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
4 (1901)
Article
Litterarische Jahresrevue
Date
1901-01-01
Page
Seite 34 (sequence 18)
Language
German
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34 studirt man aus all den .Gründen, welche irgendwie für eine Geschichte vorhanden sind und die für Gebildete nicht erst specisicirt zu werden brauchen. Dazu kommt, daß wir doch Juden sind, von unserer eigenen ehemaligen Geschichte Genaues wissen wollen. Den Hauptwerth legt Lazarus auf die Geschichte des Judeuthums, das ist die Geschichte des inneren Lebens, welche zu erörtern uns viel wichtiger ist als alle die kleinen Äußerlichkeiten, welche im Laufe der Zeit gespielt haben. Hier giebt es Entwickelung ohne Unterlaß, hier ist Fortbildung, Ausgestaltung, wirkensreiche Schöpferkraft. Dasselbe ist auch bei der Literaturgeschichte der Fall. Es sind wahrhaft goldene Worte, die Lazarus da ausspricht, und ich kann es mir nicht versagen, sie hier im Wortlaut zu citiren: „Wir haben in unserer Zeit nicht wenige gerade unter uns, welche meinen, daß die jüdische Literaturgeschichte genau so getrieben werden muß wie jede andere: Auf den Inhalt kommt es gar nicht an; mit der jüdischen Religion, dem Judenthum hat es gar nichts zu thun; man macht nur Literaturgeschichte, indem man die Titel alle genau angiebt und wie viel Manuskripte davon existiren und wieviel Seiten jedes Manuskript hat; wo sie geschrieben und welche gedruckt sind und wo und von wem; und daß man allenfalls von dem Inhalt so viel mittheilt, wie in einem Jnhaltsverzeichniß steht; aber um Gotteswillen nichts von dem eigentlichen Inhalt! Der hat mit der Litteraturgeschichte nichts zu thun!" Mit vollem Recht weist Lazarus diese Anschauung von der jüdischen Literaturgeschichte weit von sich, denn hier kommt es auf. das innere Leben au, hier kommt es daraus an, zu erkennen, wodurch unterscheidet sich denn diese Literatur von jeder anderen. Das ist ja das Große an ihr, daß sie so specisisch ist, daß es in ihr so viel Unvergleichliches giebt. Daun aber ist es außerordentlich wichtig, das innere Gesammtleben des Judenthums, die geistigen Zustände zu verschiedenen Zeiten, die Kulturbeziehungen zu den anderen Völkern kennen zu lernen. Nur das, was aus dem Wesen der Juden fließt, was geschaffen ist, weil der Mann ein Jude war und in dem Maße, wie das Judenthum in ihm gelebt hat, das kann man als jüdische Nationallitteratur betrachten.

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