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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1901-01-01 · 4 (1901) · p. Seite 35

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Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
4 (1901)
Article
Litterarische Jahresrevue
Date
1901-01-01
Page
Seite 35 (sequence 19)
Language
German
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35 Was wir aber durch solche Forschungen erreichen, das setzt Lazarus am Schlüsse seiner Schrift ebenso klar" wie bündig auseinander. Einmal ziemt sich die historische Kenntnis; für einen Jeden und ganz besonders für einen jeden Kulturmenschen, vor allem für jeden gebildeten Menschen, daß er das, was er ist, was er liebt, was seinen Charakter ausmacht, nicht ohne Weiteres als ein Gegebenes hinnimmt, sondern sich fragt: Woher bist du das, wie ist das in dir geworden, wo liegt die eigentliche Quelle deines Lebensinhalts, von welchem und in welchem du lebst? Das soll die Geschichte ihm an die Hand geben. Hieran, wird sich natürlich auch die uöthige Selbstkritik knüpfen; wenn wir von besseren Zeiten hören, so werden wir uns angesporut fühlen, ihnen wieder nach zu kommen; sind wir aber herab gestiegen und herab gesunken, so müssen wir eben wieder hinauf zu kommen suchen. Und endlich das dritte, was wir aus der Geschichte empfangen sollen —für unsere Zeit vielleicht das Wichtigste,— das ist das Selbstbewußtsein. Wir sollen wissen, wer und was wir sind, und daß Viele von uns das nicht wissen, ist unser Unglück. Sie sollen lernen, daß sie Juden sind und was es bedeutet, ein Jude zu sein und welche schwere Pflicht ihnen damit auferlegt ist. Die Kenntniß der jüdischen Geschichte soll uns dazu führen, die Continuität des Geistes im Judenthum zu erhalten. Ich kann die Schrift' von Lazarus allen Lesern nicht eindringlich genug empfehlen. Und nun gehen wir zu den einzelnen Forschungen auf diesem Gebiete über, bei denen ich mich nach dem bereits Gesagten um so kürzer fassen kann. Die hebräische Uebersetzung der Litteraturgeschichte Steinschneiders durch H. Malter ist wieder um ein Heft bereichert worden. Das nächste Heft wird wohl den Schluß bringen. I. Hamburger hat der dritten Abtheilung seiner Realeneyklopüdie noch ein fünftes Supplement beigefügt, welches Biographien der bedeutendsten jüdischen Gelehrten aus der talmudischen Zeit bringt. Aus dem Nachlasse von M. Poppelauer ist als eine Art Geschichte der jüdischer Tradition ein Namensverzeichniß der hervorragendsten Gesetzeslehrer herausgegeben worden. Der fünfte Band der gesammelten Schriften von Leopold Löw schließt sich seinen Vorgängern ebenbürtig 3*

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