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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1901-01-01 · 4 (1901) · p. Seite 33

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Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
4 (1901)
Article
Litterarische Jahresrevue
Date
1901-01-01
Page
Seite 33 (sequence 17)
Language
German
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33 verzeihe mir diese neue Abschweifung, aber wes das Herz voll ist, des geht der Mund über; und ich kann nicht ohne Wehmuth an die gewaltige Arbeit denken, die oft unter großen Mühen und Entbehrungen Jahr aus Jahr ein geleistet wird und von der doch dem gesummten Judenthum nicht allzuviel zu Gute kommt, so daß man sich zu Zeiten versucht fühlte, mit dem Dichter des Faust auszurufen: „Ein großer Aufwand schmählich ist verthan." Der Gedanke, daß die Litteratur keine Geschichte der Bücher, sondern eine Geschichte der Ideen sei, die die Zeit bewegen und deren sichtbaren Ausdruck nur die Bücher bilden, dieser Gedanke ist eben bei uns noch nicht zum Durchbruch gelangt. Am ehesten kommt er zum Ausdruck in den zusammenfassenden Werken über Litteratur und in populären Schriften. Das abgelausene Jahr hat da manche werthvolle Gabe zu verzeichnen. Ich setze die Schrift von M. Lazarus: Was heißt und zu welchem Ende studirt man jüdische Geschichte und Litteratur? hier voran, weil sie den besten und treffendsten Ueberblick über das Gesammtgebiet liefert. Sie ist zugleich auch die einzige Antwort, die man allen denen geben kann, welche gegen die Vereine für jüdische Geschichte und Litteratur aus wissenschaftlichen Gründen Bedenken erheben. Es erscheint mir nothwendig, bei dieser kleinen aber inhaltsreichen Schrift, die ganze Bände gelehrter Untersuchungen aufwiegt, etwas länger zu verweilen. Schon im Eingang hebt Lazarus den Unterschied zwischen jüdischer Geschichte und Geschichte der Juden oder des Judenthums in sehr scharfer Weise hervor. Die jüdische Geschichte geht ihm nur bis zum Fall von Bethar oder bis zur Zerstörung Jerusalems. Eine jüdische Geschichte giebt es nach seiner Ansicht nicht mehr, aber eine Geschichte der Juden giebt es fortwährend und die Geschichte des Judenthums lebt. „Sie hat es auch vorher inmitten der jüdischen Geschichte schon gegeben, sie besteht nicht nur fort, sondern sie ist, weil sie die ausschließliche geschichtliche Arbeit des Stammes geworden ist, die wahre und eigentliche Geschichte der Juden seit jener Zeit." Auf die Frage, zu welchem Ende studirt inan jüdische Geschichte, antwortet Lazarus mit klarer Einsicht: Die älteste aber abgeschlossene jüdische Geschichte 3

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