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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1901-01-01 · 4 (1901) · p. Seite 28

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Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
4 (1901)
Article
Litterarische Jahresrevue
Date
1901-01-01
Page
Seite 28 (sequence 12)
Language
German
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— 28 — Orestie voraufschickt. In der Einleitung zu dem Agamemnon des Aeschylus spricht er (S. 6) von der „Bekanntschaft mit' der Entwickelung der jüdischen Religion", die sich jeder bei Julius Wellhausen holen könne, dem auch er sie verdanke. Diese Bekanntschaft mit der jüdischen Religion erstreckt sich aber bei dem berühmten klassischen Philologen auf die Ueberzeugung, daß nach dem Gottesbegriff des Aeschylos „Zeus viel mehr verwandt dem Jahwe der Propheten und Psalmen" sei ' als dem Donnerer Homer's (S. 47). Demgemäß stellt er in der Einleitung zu dem dritten Drama „Die Versöhnung", nachdem er (S. 1) richtig gesagt hatte: „Der Gott der Juden war ein Himmelsgott" die folgende nngeheuerliche Behauptung auf: „Die späteren Himmelsgötter haben alle auf Bergkuppen gewohnt, Jahwe aus dem Sinai, Zeus auf dem Olympos. Zeus ist dann freilich schon sehr früh ein universaler Gott geworden, dem entsprechend, daß sich der Himmel über die ganze Erde wölbt, so daß sein Herr auch die nationale Beschränktheit ablegt. Jahwe ist zu gleicher Universalität wohl in dem Glauben einzelner Propheten erhoben^ im Kultus ist er immer Judengott geblieben, angesiedelt auf dem Berge Jerusalems, wo er allein Opfer annahm. Darum hat die älteste Christenheit sehr wohl gewußt, daß ihr ein anderer Gott verkündet war" aber die Menschen haben, wie es Menschenart ist, des mythischen Bildes nicht entrathen können und die historische Kontinuität nicht preisgeben mögen." Also das hat Herr v. Wilamowitz bei seinem Collegen Wellhausen gelernt: Zeus war der Universalgott und der Judengott blieb ein nationaler noch bis zur Entstehung des Christenthums! Es war ein ungeheurer Jrrthum der Wissenschaft, anzunehmen, daß der Monotheismus von den Juden stamme. Auch dieser Jrrthum ist jetzt aufgeklärt und man beginnt nun endlich einzusehen, daß die Juden der Cultur der Menschheit so gut wie nichts gegeben haben, weder die Liebe noch die Gerechtigkeit, noch den Glauben an Einen allmächtigen, außerweltlichen Gott. Wer die Schriften der neueren und neuesten Schule aufmerksam verfolgt, der wird überall die allerdings nirgends offen ausgesprochene Tendenz erkennen, den Juden so ziemlich Alles abzusprechen, was

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