Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 4 (1901)
- Article
- Litterarische Jahresrevue
- Date
- 1901-01-01
- Page
- Seite 27 (sequence 11)
- Language
- German
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27 herausgegeben, verdient rühmende Erwähnung. Untersuchungen über Philo und dessen Lehre von der Weltschöpfung hat Jacob Horovitz in eindringender Weise angestellt. Die sehrerfreuliche Thatsache, daß sich ein Comite, aus hervorragenden Männern bestehend, gebildet hat, um die Reste des jüdischhellenistischen Schriftthums würdig herauszugeben, darf hier nicht übergangen werden. Die Bearbeitung und Uebersetzung der Fragmente hat Prof. vr. Leopold Cohn, der gelehrte Herausgeber der Werke Philo's, übernommen. Hoffentlich fließen die Beiträge für dieses bedeutungsvolle Unternehmen so reichlich, daß auch eine vollständige Uebersetzung der Schriften Philo's, die zunächst nicht im Programm liegt, sich anreihen kann. Die Forschungen zur hellenistisch-jüdischen Geschichte und Litteratur, die Hugo Willrich unter dem Titel: Judaica herausgegeben, sind trotz ihrer mehr als seltsamen Hypothesen über den historischen Hintergrund des Buches Esther und die Bedeutung des Purimfestes durch die Bearbeitung der neuesten geschichtlichen Resultate für die Kenntniß jener Zeit nicht ohne Werth. Nur der Komik wegen will ich hier kurz anführen, daß nach Willrich Purim das Fest ist zur Erinnerung an die Begründung der jüdischen Militärkolonie unter Philometor in Aegypten und daß das Buch Esther nach ihm im Jahre 48/7 v. Ehr. abgefaßt sei. Er schließt seine Studie mit dem Satze: „Man wüßte für den Verfasser des Estherbuches kaum ein besseres Milieu aufzufinden als die Sammlung von Canaillen in der Umgebung des Herodes, denen dieser groß angelegte Herrscher es verdankt, wenn man noch heute die Kinder mit seinem Namen ängstigt." Das sind nun die gelehrten Resultate der neuesten wissenschaftlichen Forschung, die in Wellhausen, dem das Buch zugeeignet ist, ihren Lehrer und Meister dankbar verehrt. Die dilletantischen offenbaren sich in Schriften, wie z. B. daß Adam nicht der erste Mensch, daß Moses kein Jude war und dergleichen mehr. Welche Früchte aber jene Lehre für die allgemeine Wissenschaft zeitigt, das kann man am Besten aus einer Publikation ersehen, die sich wiederholt und mit Dank auf diesen Meister beruft: aus den Einleitungen, die Ulrich v. Wilamowitz-Moellendorff seiner Uebersetzung der griechischen