Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 4 (1901)
- Article
- Litterarische Jahresrevue
- Date
- 1901-01-01
- Page
- Seite 23 (sequence 7)
- Language
- German
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23 früheren Jahren: es wird nicht anders und nicht besser werden, bis nicht eine große Concentration auch auf diesem Gebiete den Verkehr regelt und die Entstehung wissenschaftlicher wie allgemein verständlicher Werke auf allen Gebieten der jüdischen Litteratur bewirkt oder fördert. Inzwischen wollen wir abermals den Versuch wagen, ob nicht auch „aus verlorenen Aehren, aus verwehter Spreu", doch noch „ein Strauß zu flechten sei." Wir beginnen unsere Wanderung wie üblich mit dem Buch der Bücher. Schon im vorigen Jahre haben wir es kurz angedeutet, daß sich auf diesem Gebiete eine Wandlung zu vollziehen scheint, die für die sog. Bibelkritik verhängnißvoll werden könnte. Allerdings beherrscht diese noch ihr Terrain mit ziemlich souveräner Machtvollkommenheit. Mit einem Zelotismus ohne Gleichen erklärt sie noch immer, daß die Ablehnung ihrer Ergebnisse zur Zeit nur noch aus zwei Gründen erklärt werden könnte, „entweder aus der Unbekanntschaft mit den Thatsachen oder aus dem ein für allemal gefaßten Entschluß, sich durch keine Gewalt der Thatsachen in dem Festhalten an längst widerlegten Vorurtheilen beirren zu lassen". Unmittelbar darauf muß allerdings der Forscher, der eine so kühne Sprache führt, selbst erklären, daß auch unter den Anhängern der mvderusteu Bibelkritik über zwei der wichtigsten Punkte noch immer Streit herrsche, nämlich darüber, ob die vier Hauptquellen, die sie entdeckt zu haben vermeint, bis zu ihrer Vereinigung durch den Redactor selbstständig nebeneinander existirten, und zweitens über die zeitliche Reihenfolge der vier Quellenschriften. Das hindert aber die Fortgeschrittensten unter den modernen Bibelkritikern keineswegs, die Bedingungen, an die die Entstehung einer eigentlichen Litteratur geknüpft ist, für Israel „frühestens gegen Ende der sog. Richterzeit" anzunehmen, nicht aber während des Wüstenzugs oder in der Zeit des beständigen Ringens der Stämme um ihre Existenz noch der Einwanderung in Kanaan. Ja, es giebt sogar Kritiker, welche noch weiter gehen und ihre Uebereinstimmung mit den Resultaten der vergleichenden Religionsgeschichte so weit treiben, auch für die Anfänge der israelitischen Geschichte den sog. Animismus als die älteste Religionsform anzugeben. Erst in einer weiteren Entwickelungsstuse seien die Lichtgott-