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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1901-01-01 · 4 (1901) · p. Seite 21

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Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
4 (1901)
Article
Litterarische Jahresrevue
Date
1901-01-01
Page
Seite 21 (sequence 5)
Language
German
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— 21 —' sein Andenken in irgend einer Bibliothek in stiller Bescheidenheit unbekannt von der bösen Welt für sich selbst sich konservirt hat. Und diese Untersuchungen werden mit einer breiten Ausführlichkeit und einer so tief eingehenden Gründlichkeit geführt, daß man bei der Lektüre sich eines bekannten horazischen Verses stets erinnern muß. Gewiß, alle diese Arbeiten sind als Material nicht zu unterschätzen, aber wann werden endlich einmal die Arbeiten kommen, die nicht mehr Material, sondern Ausführung und Bearbeitung der aufgehäusten Vorarbeiten sein werden? In gelehrten Kreisen wird vielfach darüber Klage geführt, daß, da nun einmal nach der Lage der Dinge die Theologen leider fast die einzigen sind, die sich mit unserer Litteratur beschäftigen, die Rabbiner in den großen Städten zu viel mit ihrem Amte beschäftigt sind, um außerdem noch wissenschaftlichen Arbeiten sich widmen zu können, die Rabbiner in den kleinen Städten aber der wissenschaftlichen Hilfsquellen gar zu sehr entbehren, um sich an größere Arbeiten heranzuwagen. Es liegt dieser Klage eine gewisse Berechtigung zu Grunde: Aber immer und immer wieder muß man sich fragen, welche wissenschaftlichen Hilfsquellen hatten unsere großen Gelehrten, die ebenfalls in kleinen Orten lebten und trotzdem große Geschichtswerke, grundlegende philosophische Arbeiten schufen, die noch heute Werth und Ansehen besitzen? Der Talmud erzählt uns von Rabbi Chija ein stolzes Wort. Dieser sagte : „Ich baue Flachs an, spinne Garn, drehe Seide, verfertige Netze und fange damit Hirsche, deren Fleisch ich armen Waisen schenke und aus deren Häuten ich Pergament anferüge, um hierauf die Lehre zu schreiben!" Was Rabbi Chija damit sagen wollte, braucht wohl nicht erst ausgeführt zu werden; aber es sollten sich alle, die es angeht, dieses stolze Wort merken und im Interesse der Wissenschaft keine Mühe scheuen und keine Arbeit zu schwer finden. Viel größere Berechtigung hat die Klage über die Theilnahmslosigkeit des Publikums gegenüber den Werken der jüdischen Litteratur. Man begreift es, daß Jemand nicht sein ganzes Leben einem Werke widmen will, um es dann nach Vollendung in seinem Schreibpult bis ins Ungewisse hinein modern zu lassen, und trotz aller Bemühungen keinen Verleger,

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