Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 4 (1901)
- Article
- Rückblick auf das Jahr 5660
- Date
- 1901-01-01
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
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5 liche Universitätsprofessoren angestellt. Auch die Ernennung zu Reserveoffizieren, ja nur zu Gefreiten wird für jüdische Militär-Freiwillige immer seltener gewährt. Endlich sind jetzt die jüdischen Lehrer von den nicht konfessionell jüdischen Volksschulen grundsätzlich ausgeschlossen. Noch ist Se. königlichen Hoheit der Prinzregent, noch sind einzelne Minister unbefangen gesinnt — aber sind diese dereinst vom Schauplatze abgetreten, so wird der Wind, der von Berlin her weht, auch in Bayern verheerend wirken. An stillem und lautem Antisemitismus fehlt es dort nicht. Hat man doch bereits versucht, in dem Dorfe Uebermatzhofen einen „Ritualmord" in Szene zu setzen, dessen Weiterentwicklung glücklicher Weise durch energisches Eingreifen der Behörden unterdrückt wurde. Mit froheren Gefühlen können wir uns Baden und zumal Württemberg zuwenden. In dem ersteren Lande hält der edle Großherzog, so weit ihm das die gegenwärtigen Verhältnisse noch gestatten, das Banner der Gewissensfreiheit und konfessionellen Gleichberechtigung hoch. In Württemberg zeigen Kammern und Regierung fortgesetzt den Juden das gleiche Wohlwollen, das auf der Anerkennung beruht, daß diese sich in jeder Weise ihrer Emanzipation und der Ertheilung der staatsbürgerlichen Rechte würdig gezeigt haben. Möchten doch andere deutsche Volksvertretungen und Regierungen das von Württemberg gegebene Beispiel nachahmen! Gewiß, es hat sich innerhalb der deutschen Judenheit ein regeres Leben entwickelt. Der Gemeindebund und seine Provinzial- und Bezirksverbände suchen Gottesdienst, Religionsunterricht, kultuelle Einrichtungen jeder Art in immer steigendem Maße zu fördern. Rabbiner- und Lehrerverband stützen diejenigen Berufe, die vor allem der jüdischen Lehre dienen. Litteraturvereine und Logen stärken die Liebe zu jüdischem Wesen und Denken. Aber wir dürfen nicht übersehen, daß die Wirkung aller dieser Veranstaltungen sich auf den Kreis derjenigen beschränkt, die noch Anhänglichkeit und Treue für die väterliche Religion bewahren. Die Tausende aber — und sie gehören beklagenswerther Weise gerade der Zahl der Hochgebildeten und Besitzenden an — die sich dem