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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1899-01-01 · 2 (1899) · p. Seite 262

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
2 (1899)
Article
Die schwarze Riwke
Date
1899-01-01
Page
Seite 262 (sequence 11)
Language
German
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262 Waren doch sonst immer so gut gegen sie gewesen, hatten ihr in jeder Noch geholfen, mehr als ihre eigenen Leute. Und doch, wie war es nur möglich? Die Juden mußten doch irgend einmal etwas recht Niederträchtiges begangen haben. Vielleicht war die Geschichte in Xanten doch nicht so ganz — — Sollten die Juden denn wirklich — Blut? Ihr schauderte, sie wies den Gedanken empört zurück, und doch kam er ihr immer wieder. Und eines Tages drängte er sich in Worte, und sie stand mit der Frage vor ihrem Manne. Der prallte entsetzt zurück und pochte mit dem Zeigefinger auf die Stirne. „Ich weiß wohl, Gerschen, ich bin meschugge, so etwas zu stagen, aber sag' mir, wie sind denn die Leut' darauf gekommen?" „Die Leut' kommen auf vieles, was nicht gestogen und nicht geflogen ist." „Aber so etwas kann man sich doch nicht aus den Fingern saugen! Etwas muß doch daran sein. Vielleicht in frühern Zeiten. Sieh doch mal in de Bücher nach!" Er erinnerte sie daran, daß man das Fleisch 3 Stunden lang wässeru und salzen müsse, damit jedes Tröpfchen Blut daraus ziehe, daß man selbst ein Ei nicht essen dürfe, wenn ein Blutfleckchen am Dotter sei und an ähnliche Ritualbestimmungen mehr. Umsonst. Es wollte ihr nicht einleuchten, daß eine so gräßliche Beschuldigung ganz erfunden sein könnte, sie wisse ja, heutzutage denke kein Jude mehr an so etwas, aber vordem, irgendwann und irgendwo —. „Sieh doch mal in de Bücher nach!" Und sie ruhte nicht eher, bis er wirklich in alten jüdischen Schriften nachforschte, ob nicht irgend ein unmenschliches Gebot das unmenschliche Verhalten der Bauern rechtfertige. Und als ihr Mann nichts fand, fing sie selber an zu suchen und las in jüdischdeutschen Geschichten- und Erbauungsbüchern und las und suchte und suchte und las und wollte was finden. Und ob sie auch nichts fand, sie blieb dabei: Es muß einen Grund für so etwas geben. Auf ihren einsamen Wegen zwischen den hohen Korn-

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