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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1899-01-01 · 2 (1899) · p. Seite 256

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Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
2 (1899)
Article
Die schwarze Riwke
Date
1899-01-01
Page
Seite 256 (sequence 5)
Language
German
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256 essen haben, ihr Mann und . sie auch. Die paar Groschen, die er' dafür erhielt, daß er der Gemeinde als Schammes und Schlächter für Kleinvieh diente, konnten nicht viel helfen. Daß er hin und wieder, da er im Jüdischen bewandert war, in einem Trauerhause „lernte", oder einen Knaben zur Barmizwah vorbereitete, brachte bei den ärmlichen Verhältnissen der meisten Gemeindemitglieder auch nicht viel ein. Da ging sie denn kurz entschlossen selber auf den Handel. Den Henkelkorb am Arme zog sie tagtäglich von Dorf zu Dorf, um allerhand Kleinkram: Garn, Band, Zwirn, Nadeln und dergleichen zu verkaufen oder Knochen, Lumpen und Felle dafür einzutauschen. Die Bauersfrauen hatten gern mit ihr zu chun. Ihre fülle ruhige Weise gefiel ihnen; sie wurde nie zudringlich und fand auch ein freundliches Wort, selbst wo es nichts zu handeln gab. Kam sie gerade in ein Haus, in dem die Arbeit drängte, dann stellte sie ihren Korb in die Ecke, sagte kein Wort und half in der Wirtschaft mit, wo und wie es ging. Ihr Lieblingsdorf war Borgeln, das etwa eine Stunde von chrem Heimathsort entfernt lag. Dort war sie fast wie zu Hause. Jung und alt sahen sie gern. Wenn manchmal andere Händler selbst höhere Preise für die Sachen boten, hieß es doch: „Ne, de kriegt de schwarte Riwke." Die günstige Meinung für sie wurde auch dann wenig erschüttert, als man auch im Dorfe die still schlummernde Abneigung gegen die Juden durch Wort und Schrift zu schüren begann. Die Inschrift, die seltsamerweise an manchen Bauernhäusern anfrauchte: Jude und Schwein Darf hier nicht herein. galt nicht für sie. Man hatte das Gefühl, daß sie eigentlich zu den Dorfleuten gehöre, und hieß sie nach wie vor willkommen. Sie richtete es daher auch immer so ein, daß sie jede Woche mehreremale nach dem Dorfe kam. Regelmäßig kehrte sie dann bei Menkenmutter ein, einer armen Bauernwittwe, die mitten im Orte in der Nähe des Dorsteiches wohnte. Ihr einziges Töchterchen, ihre Minna, die sie im vergangenen Herbst verloren hatte, war gleichen Alters mit der Stine,

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