Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 2 (1899)
- Article
- Maskir
- Date
- 1899-01-01
- Page
- Seite 246 (sequence 43)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 99% known words query
- IRI
…/3111067-3111070-3111592--0626-3111883- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
246 ein"; Bringe meine Söhne aus der Ferne und meine Töchter vom Ende der Welt." „Gott wird mir helfen, daß seine Verheißung mir und seinen unwürdigen Kindern erfüllt werde. Ja, er wird helfen — er wird helfen." Mit Inbrunst stieß er diese Worte heraus, und ein wahres Verlangen sprach aus Wort und Mienen. Robert war auf's Tiefste bewegt durch die feste Zuversicht, die den sonderbaren Schwärmer beseelte. Er legte nun beide Hände auf seine Schultern, sah ihm starr in die Augen, wie um seinen Blick festzuhalten und den ganzen Menschen zu beruhigen. So sah er chn eine Weile an, dann sprach er langsam und fest zu ihm: „Könnt Ihr ruhig sein?" Reb Joine blickte fragend. „Könnt Ihr eine große, plötzliche Freude ertragen?" Er riß die Augen weit aus und öffnete halb den Mund. Sein Herz klopfte, aber er suchte sich zu fassen. „Der Herr der Welten in seiner Gnade wird mir Kraft geben. Ja, er wird mir Kraft geben — wird mir Kraft geben." „Nun denn, morgen bekommt Ihr von mir das Geld, damit Ihr nach Palästina fahren könnt." Da beugte Reb Joine in Demuth sein Haupt und biß den Mund zusammen, damit er keine Tollheit begehe. Dann richtete er sich hoch auf. — Tiefe Inbrunst lag über seinem Gesichte, selige Verzückung strahlte aus seinen tiefliegenden Augen, eine Verklärung, deren Eindruck auch Robert nicht widerstand. Keiner sprach ein Wort. Und als die Spannung der ersten Ekstase vorüber war, meinte Reb Joine überlegen lächelnd: „Nun, Reb Rüben, Hab' ich Recht behalten? So wie ich gesagt Hab', Gott wird mir Helsen, so hat Gott mir geholfen. Ja, Gott Hilst, Gott hilft, er und nur er in aller Ewigkeit." Das Surren hinter dem Vorhang hörte auf. Reb Joine sprach nun immer lauter: „Gott will, daß ich hinübergehe, Gott will, daß wir Alle gehen. Lach' nicht, Reb Rüben, Du wirst der Erste sein, ja, der Erste, der mir nachkommt. Einmal bist Du