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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1899-01-01 · 2 (1899) · p. Seite 237

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Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
2 (1899)
Article
Maskir
Date
1899-01-01
Page
Seite 237 (sequence 34)
Language
German
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237 same, junge Kaufmann, dem die rituellen Gebote gleichgültig sind. Zwischen beiden der Kampf. Wer löst diese Wirrniß?" Eduard war rasch mit der Antwort. „Die Zeit Gottes ist vorüber wie die der Juden. Wir haben unseren Tod überlebt und stoßen daher überall auf Verwesung oder doch auf Gegensätze mit dem wirklichen Leben, das sich entwickelt, das fortschreitet. Uns bleibt nur eine Aufgabe, in den Völkern aufzugehen, mit denen wir leben. Dann giebt es keinen Sabbath und keinen Widerspruch mit dem Sonntag." Robert winkte mit der offenen Hand. Diese Bewegung von oben nach unten bedeutete soviel: Das kenne ich schon. Ganz kurz sagte er: „Ja, ich würde auch das annehmen, auch das Ausgehen mag gut sein; die Völker, mit denen wir leben, wollen bloß nicht, daß wir in ihnen aufgehen. Ich glaube, daß einst —, einst in fernen Jahrtausenden die Menschenliebe alle Trennungen überwinden wird, aber die Liebe zu allen Menschen setzt bei dem, der sie fühlen soll, eine innere Gleichstellung voraus, die man uns heute noch verweigert." „Aber Ihnen doch nicht," erwiderte Martha, die seit jener Streitscene merklich verstimmt war. „Sie müssen doch nicht immer den Juden herauskehren, besonders in Ihrer Stellung, es wird Ihnen sehr schaden." Robert blickte sie ernst, fast strafend an und erwiderte scharf: „Sie glauben doch nicht, daß ich mit meinem Judenthum Verstecken spielen werde." „Aber es ist doch nicht nothwendig, die ganze Welt zu brüskiren." „Brüskiren, wenn ich mich als Jude bekenne?" „Nun ja, es ist einmal so und man muß-" „Nein, man muß nicht, sondern weil man sich versteckt, weil man sich immer feige verkroch, gilt es jetzt als ein Verbrechen, Jude zu sein. Soll der Christ das respectiren, was wir verbergen wie den Aussatz?" Martha ging wortlos an seiner Seite, ernst sinnend, schweren Herzens. Robert war-ihr lieb geworden. Sein männliches Wesen, das Bestimmte, Beruhigende in ihm, das seinen Kranken so viel Kraft und Halt bot, es war auch ihr

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