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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1899-01-01 · 2 (1899) · p. Seite 238

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Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
2 (1899)
Article
Maskir
Date
1899-01-01
Page
Seite 238 (sequence 35)
Language
German
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238 eine Stütze. Aber die Stütze wankte jetzt. Was sollte sie chun, was lassen? Ihm folgen?- Ja, ihm folgen. Er war fest und sicher, er würde sie gut leiten. Und fester stützte sie sich auf seinen Arm, Schritt um Schritt, in rythmischem Wiegen. Ach, sie würde chn schon herumknegen, mit Lachen und Scherzen, mit Necken und Kosen von diesen abscheulichen Ideen ablenken. Sein Beruf und die zahlreichen gesellschaftlichen Verbindungen des Hauses Ehrenstein, die er mit in die Ehe bekäme, sollten das Uebrige thun. Ihre Mutter theilte ihre Meinung durchaus nicht. Als sie ihr am Abend chren Entschluß mittheilte, Robert trotz seiner eigenchümlichen Schrullen das Jawort zu geben, kam es auch zu ernsten Auseinandersetzungen. Die beiden Damen richteten sich in ihrer Stube für die Nacht ein, ohne jedoch zu Bette zu gehen. „Hat Dr. Seeliger sich Dir erklärt, so daß Du nur Ja zu sagen brauchst?" frug die Mutter. „Nein, noch nicht, aber ich erwarte heute Abend oder morgen vor der Abreise seine Frage." Frau Ehrenstein sah ernst drein und schwieg eine Weile; sie ordnete chre Gedanken. Sie fürchtete, Robert werde sich nicht erklären, und fast hoffte sie es. Sie begann chn zu verstehen. Er war ein Fanatiker, einer von diesen Männern, die eine Idee, ein Princip, das Wohl der Allgemeinheit, wie sie es nennen, höher stellen als eine Frau, als die Familie. Nein, er sollte sich nicht erklären! Oder doch, aber Marcha mußte chm dann einen Korb geben. — Ja, einen solennen Korb, denn eigentlich war es insolent, sie hierher zu locken in diese kleinen, armseligen Verhältnisse, damit sie sich ducken lernen, ins Ghetto kriechen. Sie wußte aber auch, daß man Marthen nicht offenen Widerstand leisten durfte, wenn man sie von einem Gedanken abbringen wollte, daß man chr wie allen schwachen Naturen, scheinbar Recht lassen müsse, um chren Willen durch einen festen Gegendruck nicht fest zu drücken. „Also dieser Entschluß steht fest?" „Welcher?"

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