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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1899-01-01 · 2 (1899) · p. Seite 236

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Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
2 (1899)
Article
Maskir
Date
1899-01-01
Page
Seite 236 (sequence 33)
Language
German
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236 Aufregung, die Augen glühten in heftigem Zorn, die Stimme klang heiser. Aber noch abstoßender, fast grauenerregend schaute „der Stumme" drein. Die Augen waren von innerer Wut aus der Höhle getreten, der Mund schäumte, die Brust keuchte und die Arme flogen hastig auf und nieder. Die Damen traten ängstlich zu Robert. Ein Mann und eine Frau waren inzwischen in den Knäuel gedrungen und suchten den Fanatiker zu beruhigen. Es war Reb Joine und sein Weib. Robert erkannte seinen alten Lehrer wieder. Das heißt, alt war er nicht, etwa 38—40 Jahre nur, genau genommen. Die hagere, vornüber gebückte Gestalt war dieselbe geblieben, aber das Gesicht hatte sich merkwürdig modellirt. Eigentlich sah man nur die flackernden Augen und die Nase; die Stirn war von einer Pelzmütze verdeckt und das übrige Gesicht verhüllten überreiche Barthaare. Aber die Augen sprachen von tiefem Leid^ von ungestillter Begier, von unerfüllten Hoffnungen. Merkwürdig frisch blickte die Frau drein, die nun in zehnjähriger Ehe mit diesem Sonderling lebte. Eigentlich lebten sie zu Vieren, denn Reb Salomon Jehuda und der Stumme wohnten mit ihnen. Die Frau streichelte jetzt den Stummen und machte chm mit den Händen Zeichen, um ihn zu beruhigen; dann führte sie ihn in ein kleines Seitengäßchen, in das chr Mann schon qorher Reb Salomon gebracht hatte. Diese Scene mit ihren widerlichen Einzelheiten hatte die Damen unangenehm berührt. „Welch' ein tolles Quartett," rief Martha. Sie wendeten sich ab und strebten nach Hause- Robert mußte ihnen folgen, obwohl er am liebsten mit den vier sonderbaren Leuten gegangen wäre. Von Ferne hörte er die müde Stimme des Reb Joine, der hastig rief: „Wir sind im Golus, Reb Salomon, im Golus sind wir, im Golus. Seid ruhig, ruhig. Hier sind Alle schlecht, sind Alle schlecht-schlecht- -— gottlos-gottlos-=-" Robert suchte das Wesen der unangenehmen Scene zu deuten. „Ein Widerspruch, einer der vielen Widersprüche im Judenthum. Hier der alte, gläubige Jude, dort der streb-

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