Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 2 (1899)
- Article
- Maskir
- Date
- 1899-01-01
- Page
- Seite 232 (sequence 29)
- Language
- German
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282 Gedanke als offene Frage in seiner Seele hängen. Wie ein Lächeln stieg es in ihm auf. Er, der starkgeistige Gelehrte, der bekannte logische Kops, der aus den Vibrationen der Nerven den ganzen Menschen errieth, er wandelte den Weg Reb Joines, des Schwachkopfes! Und doch — — —. Es war Erdgeruch in diesem hageren Manne, Kraft sprach aus chm. Eduard benützte dieses Schweigen, das er als Verlegenheit deutete, zu einem neuen Angriff. „Und wenn wir Juden ein Stamm sind, warum sprechen wir Dutzende von Sprachen und nicht die eigene?" „Meinst Du, weil Du und Deinesgleichen nicht hebräisch kennen, daß diese Sprache ausgestorben ist?" „Aber Du glaubst doch nicht, daß hebräisch-" Alle außer Robert lachten. Eduard aber meinte dann sehr ernsthaften Tones: „Sprich diese Ideen nirgends aus, sie würden Dir viel Feinde bringen." „Ja, aber nur unter den Juden, weil chrer zu viele auf dem Sprunge sind, davon zu laufen? „Und Du stößt sie ins Ghetto zurück, aus dem sie alle hinausstreben." Robert schaute auf. Martha faß blutroth im Gesichte, mit Thränen in den Augen, verlegen auf chren Teller blickend. Frau Ehrenstein konnte chren Unwillen nicht beherrschen: „Es ist schade, daß wir nicht stüher von diesen Ideen wußten!" sagte sie kurz. Martha stand auf, um das Beben ihres schlanken Körpers zu verbergen. Sie fürchtete einen Bruch, den Bruch mit Robert, der Mama so reizte. Sie ging ans Fenster und wandte das Gesicht der Straße zu. Die guten Augen im runden Gesichte waren gefeuchtet. Am liebsten wäre sie ihm um den Hals gefallen und hätte gerufen: „Nein, ich lasse Dich nicht. Ich will Freud' und Leid mit Dir theilen." Aber das ging doch nicht, er hatte sich noch gar nicht erklärt. Sie konnte ihm doch keine Liebeserklärung machen. Dann, was würde Mama denken, Mama, die sich so schwer entschlossen hatte, herzufahren. Und nun diese Stimmung! Frau Ehrenstein war merklich kühler geworden. Sie hätte zur Noth diesen Tag in der Judengemeinde mit freundlicher Miene ertragen, aber ihr ganzes Leben mit diesen Leu-