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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1899-01-01 · 2 (1899) · p. Seite 231

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Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
2 (1899)
Article
Maskir
Date
1899-01-01
Page
Seite 231 (sequence 28)
Language
German
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281 auf die armseligen polnischen, russischen und rumänischen Juden zurück? Du allein kannst ihnen nicht Helsen. Warum läßt Du Dich vom großen Mitleid verzehren? Hast Du Deinen Nietzsche so ganz ohne Nutzen gelesen? Den auserlesenen Naturen gehört die Welt! Dir ist es gelungen, aus dem Ghetto herauszuwachsen. Dein Name gilt in der Wissenschaft und wird immer mächtigeren Klang gewinnen, so laß' doch endlich die werthlose Masse, die sich nicht empor- Zuringen vermag-" Robert blieb äußerlich ruhig, er sah nur Marthen ins Gesicht und bemerkte am Spiel ihrer Gesichtsnerven, wie sie jedem Worte Eduards innerlich zustimmte. Da wußte er viel, aber noch nicht- Alles. Er mußte klar sehen, sollte auch ein zu starkes Wort oder eines über seine Meinung heraussallen. „Man kann in seinen Formen sehr vornehm sein, das Raffinement der modernen Genüsse lieben und sich doch im Herzen zu den Armen hingezogen fühlen. Uns Inden paßt diese Aristokratie des Geistes, wie Nietzsche sie meint, recht übel. Abgesehen davon, daß ich diese ganze Theorie vom Uebermenschen hasse, weil sie zur Unmenschlichkeit führt, weiß ich nicht, woher der Uebermensch kommen soll, wenn die Massen verwahrlosen. Von oben kam nie die Erlösung, die Oberen-das sind ausgebrannte Dochte. Aber nehmen wir an, Nietzsche hat die Wahrheit gesunden, wir Juden können uns um diese Reaktion eines freien Geistes gegen die Furcht vor der Herrschaft der Massen doch nicht kümmern. Wir müssen für unsere Juden, sür unsere Massen leben, wenn wir nicht an ihnen sterben wollen. Denn sie rücken nach und dringen in unser Leben; in jedem Falle aber kommen ihre Sünden über uns. Beweist nicht das allein schon, daß wir von aller Welt als ein Volk angesehen werden?" „Aber ein Volk muß doch eine Heimath haben!" Robert schwieg betroffen. Ja, das hatte er selbst oft empfunden. Damals, als Frau Schönbergers Leiche heimathlos umherirrte, war es chm zuerst gekommen, und als er hörte, mit welchem Eifer Reb Joine von der „Heimath" sprach, blieb dieser

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