Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 2 (1899)
- Article
- Maskir
- Date
- 1899-01-01
- Page
- Seite 227 (sequence 24)
- Language
- German
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227 etwas in diesem Lachen, und sie lachte so oft und so häufig ohne Grund, und er liebte es sonst, dieses Lachen. Heute schmerzte ihn es, jetzt, wo — Sollte Eduard ihr nichts gesagt haben? Verstand sie so wenig von jüdischem Gebrauchthum? Aber an seinem ernsten Gesichte hätte sie — Ah bah, er will froh sein, daß sie Helligkeit, Freude und Lust am Leben und an seinen kleinen Genüssen in sein Dasein pflanzt. Man darf nicht immer den trüben Sorgen um die ganze Menschheit sich hingeben. Dieses stete Suchen nach dem Glücke des ganzen Volkes und nach dem wahrem Gotte, der es verbürgt, hat die Juden zerstört und das Christenthum verdüstert. Heiterkeit — Helligkeit — Griechensonne — freilich auch die Griechen sind verdorben und verschwunden! Also die rechte Mitte! Nazarenerthum mit Griechenthum gepaart. Hm! Wenn das so ginge. Wenn man zwei Leben leben könnte in Einem! Aber versuchen muß'man es, versuchen . . . Auch er lächelte den Zweien entgegen. Wie Eduard und Martha zusammen passen? Warum mußte er das denken? Sie liebte doch ihn — das wußte er — und doch — — Vielleicht war es nur Eitelkeit, der Wunsch, einen „Namen" zu — Mußte er fürchten? War er mißgestaltet? Nein, sie würde zu ihm halten, sicher — aber Liebe, Liebe! Jenes große, starke, unbezwingbare Gefühl! Sich — aufgeben, aufgehen — wollen im Anderen, ohne sich zu verlieren. — Ja, d i e Probe muß es gelten. Deshalb hatte er sie zu seiner Mutter gebracht. Liebe versteht alles, Liebe trägt alles, Liebe-! Wieder drückt er den Arm seines Mütterchens. Sie lächelt selig zu ihm empor. Liebe, das ist die Mutter. Und die Frau muß einst die Mutter ersetzen, sie muß mit mir Eins sein, wie ich es mit meiner Mutter bin. „Mutter, weißt Du, was Liebe ist?" „Liebe, mein Kind? Sich gern haben. Einer den Anderen." „Nein, Mntter, ich meine die Liebe zwischen Mann und Weib." „Ja, Du meinst, so leben und sterben für einander." Ja, das meinte er — leben und sterben für einander! — Das ist die Liebe, die er sucht! Sie waren in der Stube. 15*