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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1899-01-01 · 2 (1899) · p. Seite 226

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Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
2 (1899)
Article
Maskir
Date
1899-01-01
Page
Seite 226 (sequence 23)
Language
German
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226 Bund mit dem Vater im Grabe und mit allen seinen Vatersvätern in den bekannten und unbekannten Ruhestätten. Dann ging er zur Treppe der Frauengallerie und wartete demüthig seines alten Mütterchens. Wie stolz sie blickte, als ihr die männliche Gestalt des Sohnes gegenüberstand, wie sich die thränengetrübten Augen plötzlich erhellten! — Sie lehnte auf seinem starken Arm und schaute zu ihm empor. Ihre Blicke trafen sich. Das erste Maskir um den todten Vater — die erste Seelenseier nach dem Trauerjahre. Er sah, wie sich ihre Augen wieder feuchteten und bat sanft: „Sei gut, liebstes Mammchen". „Oh, es sind keine schweren Thränen, mein Kind. Es sind Dankopfer, Dankesthränen. Ich habe Dich, Du gutes treues Kind und bekomme vielleicht bald eine Tochter." Sie versuchte zu lächeln und blickte ftagend zu ihm auf. Er antwortete nichts, sondern schritt stumm neben der Greisin durch die breite Gasse mit den kleinen Häuschen. Welche Kraft ihm aus diesen welken Armen zuströmte, welche Stärke der gebeugte Leib ihm bot! Ihr Leben war stille Arbeit gewesen und stetige Liebe. Mit klugen Verweisen und linden Worten hatte sie chn geleitet und es so gehindert, daß er als Mann seiner Abkunft untreu geworden. Und nun hatten sie immer noch ein Gemeinsames, so sehr sein Gesichtskreis sich geweitet, seine Bildung zugenommen hatte. Sie theilten das tiefe Leid, die Sorge um die Vergangenheit und die Zukunft des Stammes, dem sie entsprossen, sie lebten zusammen, zusammen im Herzen — auch wenn sie getrennt waren. Er war Eins mit ihr, seiner Mutter, mit ihr, die ihm Zärtlichkeit und Liebe gegeben und gelehrt hatte. Dieses Glück durchströmte ihn, und alle Liebe aller Mütter, die gewesen, schlug über seinem Haupt zusammen, wenn sie dankbaren Blickes zu ihm auffchaute. „O, wie schön ist es doch, Mutter, wie schön," und sie stützte sich dann fester auf seinen Arm und streichelte verschämt seine Hand, die von ihrem Umhängtuch bedeckt war. Bald waren sie an ihrem Hause - angelangt. Martha Ehrenstein und ihr Cousin Eduard lehnten lachend am Fenster und nickten ihnen fröhlich entgegen. Die Mutter lächelte glückstrahlend zurück, er vermochte es nicht. Es verletzte ihn

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