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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1899-01-01 · 2 (1899) · p. Seite 224

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Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
2 (1899)
Article
Maskir
Date
1899-01-01
Page
Seite 224 (sequence 21)
Language
German
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224 . Einstens galt es als Ziel einer reichen Familie, einen Talmudjünger „einzusetzen". Sie wurden die Schwiegersöhne der reichsten Männer und studirten weiter in der Lehre Gottes, um Gotteswillen, oder sie wurden Kaufleute. Aber Reb Joine war nicht mehr zeitgemäß. Es galt nur noch der Besitz an Geld und Gut. Aus Wien kamen sabelhaste Berichte von Ortskindern, die zu großem Reichthum gekommen waren, und Alles strebte nach Besitz, hie und da nach Bildung, Niemand nach der alten, veralteten Gotteslehre, deren Gebote übertreten wurden, so oft der Gelderwerb es nothwendig machte. Der alte „Bocher" nahm die Tochter des verstorbenen Rabinatsassessors zur Frau, ohne sie vorher jemals von Angesicht zu Angesicht gesehen zu haben. Sein religiöses Gewissen verbot ihm, einer fremden Frau oder einem Mädchen ins Antlitz zu schauen. Man lachte hinter Reb Joine her, wenn er über die Straße ging. Die Kinder riefen: „Reb Joine — sie hat einen Buckel!" und er konnte damals gar nicht widersprechen. — Aber sie hatte keinen, sondern ein großes Kreuz an ihrem Herrn Gemahl. Nicht daß sie es empfunden oder gar gesagt hätte. „Ein Kreuz." Sie wagte nicht einmal, an ein solches zu denken, viel weniger, dieses Wort auszusprechen — aber sie hatte es doch. Denn nach der Hochzeit stellte es sich heraus, daß Reb Joine verrückt sei, total verloren. Er wollte auswandern. Und stug man, wohin, so erwiderte, er: „Ich geh' nach Hause, nach Haus." „Wie heißt nach Hause?" „Nun nach dem heiligen Lande. Bin ich von dort zu Haus oder bin ich nicht von dort her?" ereiferte er sich. „Ich will keine Kinder haben in der Fremde, Kinder in der Fremde, in der Fremde." Seine junge, mädchenhafte Frau wurde stets verlegen und feuerroch bei diesen Worten. „Ich will keine Abtrünnigen erziehen. Alles wird gottlos hier. Alles sündigt, ich geh' in die Heimath!" Robert verfiel in ernstes Sinnen. Dieser Reb Joine, dieser halbverrückte Romantiker, beschäftigte seine Einbildungskraft. Das war erst recht ein Ganzer, ein Character aus einem Stück: er lebte beengt. Er strebte weg. Er fühlte sich ftemd, da suchte er die Heimath. — Und wir Anderen,

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