Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 2 (1899)
- Article
- Maskir
- Date
- 1899-01-01
- Page
- Seite 219 (sequence 16)
- Language
- German
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219 Friedhofes anvertraut ist, meinte zwar, man solle auch den Preis des Grabes angeben, aber da kam er schön an. „Wenn er Geld hat, wird er zahlen, wenn nicht, wird Gott es zahlen." „Seh' an, der da!" ries ein anderer Beisitzer. „Wagram hat leicht reden, er ist Herr vom ganzen Friedhof, er kann sich zehnmal begraben lassen: was weiß er, wie das ist, im fremden Oesterreich draußen mit ä todt Weib herumfahren und nit wissen, wo er se begraben soll." Wagram murmelte von „Friedhof kost' Geld — hat sich nie um uns gekümmert — mehr Christ als Jud der — jetzt kommt er — Gemeinde immer ärmer —", aber er Unterzeichnete doch die Depesche, welche der todten Estherl Reb Oschers ein Heim bot für die letzte Ruhe. Das war dann ein seltsamer Tag. Noch heute verklärte er in der Erinnerung Alle, die Theil an ihm hatten. Wie sie horchten, die zur Seelenfeier Versammelten. Jetzt muß bald ihr Name an die Reihe kommen. Der Kantor macht vorher eine Pause und schnörkelt den Ton, damit er länger gehört werde, der Name dieses Estherl, der Tochter Reb Oschers. Und Einer blickt befriedigt zum Anderen. Das haben wir damals gut gemacht. Ja, das hatten sie wahrhaftig. Tamnitz liegt in einem sehr breiten Thale, aus dem man die Straßen übersehen kann, die von den Hügeln herab führen. Am Morgen nach dem Berathungstag hieß es „Sie kommt!" Jeder wußte, wer gemeint sei. Man hatte kein Programm gemacht, das giebt es nicht in Judengemeinden, aber es ging wie nach beredeter Ordnung. Man ließ den Frühstückskaffee stehen und schaute vorerst hinauf zum Oreszkoer Berg. Das mußte er sein, der Wagen, die blanke Truhe, die hell aufblinkte, verrieth es. Dann kam alles ganz von selbst ohne Ansage oder Abrede. Erst gingen die Männer. Die Frauen aber, obwohl sie sonst bei Leichenbegängnissen nichts zu suchen haben, wollten diesmal nicht daheim bleiben. Galt es doch ein Weib einzuholen, eine Schwester. Die Kinder konnte man dann auch nicht allein lassen. So