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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1899-01-01 · 2 (1899) · p. Seite 218

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Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
2 (1899)
Article
Maskir
Date
1899-01-01
Page
Seite 218 (sequence 15)
Language
German
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218 opferten? War jener nicht auch ein Ganzer, ein Gottsucher gewesen? Nicht frevler Uebermuth hatte ihn der Mehrheit zugetrieben, sondern der Zweifel am Judenthum und der Glaube ans Christenthum. So hatte er es gehört von Unparteiischen, die sein späteres Leben kannten. Es bleiben nun einmal nur zwei Wege für den Juden, der nicht verzweifeln soll, der Mehrheit sich einfügen --Nein, er könnte es nicht; er verdammt Niemand, Niemand, aber er könnte es nicht, es würde ihn zerbrechen. Nun denn, so bleibt nur die andere Straße, die man aber nicht allein gehen kann. Es hieß, den eigenen Namen zu neuem Leben wecken. Und warum soll die einstige Größe nicht wieder Juda erheben, der große Geist sie nicht wieder erhellen und erleuchten? Weil sie heute dem Krämerthum verfallen sind und das „goldene Kalb" anbeten? Noch glüht in Vielen das Interesse für die höchsten Güter der Menschheit und auch die Zusammengehörigkeit ist nicht erstorben. Kürzlich erst war etwas geschehen, was ihm wohlgethan hatte, was ihn aufrichtete. EineDepesche waraus Niederösterreich gekommen. Ein Mann, namens Schönberger, der aus der Gemeinde stammte, srug, ob man seiner Frau ein Grab gönnen wolle, er wüßte nicht, wo chr die letzte Ruhe verschaffen, da sie im Orte, wo sie bisher gelebt hatten, keinen ehrlichen Platz für ein Grab bekämen. Der Mann war vor dreißig Jahren als dreizehnjähriger Knabe aus der Gemeinde gezogen. Vor fünfzehn Jahren hatte er sich ein Mädchen aus der Heimath zur Frau genommen. Und nun flössen die Familien-Erinnerungen.- Es war Estherl, das rothblonde Estherl Reb Oschers. Reb Oscher, in „Gan Eden" soll er ruhen, ist zwölf Jahre todt; er war ein Ehrenmann, seine Mutter Zartele hat gutes Brot gebacken, der Vater war ein Gelehrter-und ein Geschwisterkind von Seeligers, die Mutter ein Geschwisterkind von des Vorstehers Großmutter. Die ältesten Leute suchten ihre Erinnerungen zusammen und in einer Stunde lebten Dutzende von alten Namen auf, von verwandtschaftlichen Verbindungen mit allen Familien, so daß es in der Gemeinde kaum einer Berathung über das Gesuch des Mannes bedurfte. Wagram, der Mehlhändler, der Vorstand der Chewra Kadischah, der die Obhut der Todten und des

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