Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 2 (1899)
- Article
- Aus Salomon Munk's nachgelassenen Briefen
- Date
- 1899-01-01
- Page
- Seite 196 (sequence 49)
- Language
- German
- Belongs to
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196 Mit den sonstigen Resultaten unsrer Reise bin ich . . . nicht ganz zufrieden. Auch schmerzt es mich sehr, daß es mir nicht vergönnt war, eine Reise nach Jerusalem zu machen, wohin ich in ruhigen Zeiten von Alexandrien aus in 4—5 Tagen hätte gelangen können. Die Angelegenheit von Damaskus betrachte ich als noch nicht vollendet. Sobald diese Stadt, wie es sich jetzt hoffen läßt, wieder dem Sultan in die Hände fällt, muß die ganze Sache von Neuem untersucht und die klare Wahrheit ans Licht gezogen werden. Doch wird wohl hierbei die Gegenwart europäischer Abgeordneter nicht nothwendig seyn. ... 34. An die Mutter. Rom, den 26. November 1840. Theuerste Mutter! Wie ich es Dir in meinem Schreiben aus Malta angezeigt, habe ich von Civitavechia aus ... einen Abstecher nach Rom gemacht, um im Vorbeigehen diese weltberühmte Stadt zu sehen. Es würde ein Jahr kaum hinreichen, um die unzähligen Denkmäler der Kunst, welche hier aufgehäuft sind, im einzelnen zu übersehen, doch was mich am meisten interessirt, sind die Ueberreste des Alterthums, und diese kann ich in den wenigen Tagen meines hiesigen Aufenthaltes genugsam überschauen. Einen betrübenden Anblick gewährt das Ghetto oder die Judenstadt. Unsere Glaubensgenossen leben hier unter dem tiefsten Drucke. Sie sind in einen der elendsten Theile der Stadt verbannt, welcher seiner Lage nach zu dem alten Rom gehört. Hier sind ihnen wenige schmutzige Straßen angewiesen, in welche man durch verschiedene Thore gelangt, die des Nachts gesperrt sind. Die meisten treiben Kleinhandel, nur einige wenige können jetzt Professionen erlernen. In Folge der Unterdrückung herrscht unter ihnen eine große Unwissenheit., und nur durch das Bedürfniß bilden sich unter ihnen einige Aerzte. Nahe dem Judenviertel sieht man noch den Triumphbogen, durch welchen Titus seinen Einzug in Rom hielt, als er von der Zerstörung Jerusalems zurückkehrte, und man bemerkt darauf mehrere von den Tempelgefäßen abgebildet, wie z. B. den goldnen Leuchter und den Tisch. Die Juden machen gewöhnlich einen Umweg, um nicht durch diesen Triumphbogen zu. gehen. Doch sieht man rings umher das alte Rom -in Ruinen verwandelt und ausgestorben, während das.Judenthum noch besteht und ewig bestehen wird. Gleichsam den stolzen Prachtgebäuden zum Trotz liest man beim Eintritt in die einfache große Synagoge auf einem schwarzen Viereck die Worte: „Wenn ich dich vergesse, Jerusalem, so vergesse mich meine Rechte." Für mich ist alles