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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1899-01-01 · 2 (1899) · p. Seite 194

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Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
2 (1899)
Article
Aus Salomon Munk's nachgelassenen Briefen
Date
1899-01-01
Page
Seite 194 (sequence 47)
Language
German
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194 für jetzt mit dem begnügen, was ich hier gesehen habe, bis es mir vergönnt ist, in ruhigen Zeiten wiederum eine Reise nach dem Orient zu machen, ohne, wie diesmal, auf eine kurze Zeit beschränkt zu sein. Ich habe jetzt schon länger, als ich es sollte, hier verweilt, und da ich auf der Rückreise zwanzig Tage auf der Insel Malta Quarantäne halten muß, so ist es unmöglich, daß ich mich zu dem mir von der Bibliothek festgesetzten Termin wieder in Paris befinde. Doch bin ich überzeugt, daß diese Zögerung keine nachtheiligen Folgen für mich haben wird, zumal da ich meinen Aufenthalt in Kairo auch für die Bibliothek durch Anschaffung seltener Manuskripte nützlich verwendet habe. — Das Merkwürdigste, was ich auf dieser Reise gesehen habe, ist der Nil und die Pyramiden von Gise. Der Fluß, welcher in der jetzigen Jahreszeit seine größte Höhe erreicht hat, bietet einen sehr großartigen Anblick dar. An vielen Stellen gleicht er einem Meere, so daß das Auge die Ufer kaum erreichen kann. Ohne die Überschwemmungen könnte Aegypten nicht bestehen, da es hier fast nie regnet. Dieses Jahr aber ist die Ueberschwemmung so groß, wie man sie seit Menschengedenken nicht gesehen hat, und sie hat viel Schaden angerichtet. Die schon ohnehin so unglücklichen Bauern dieses Landes sind sehr hart mitgenommen worden, was die unmenschliche Regierung nicht verhindert, sie zu bedrücken, um die Abgaben, welche oft den größten Theil ihrer Habe in Anspruch nehmen, durch Stockschläge zu erpressen. Wer Aegypten nicht gesehen, hat keinen Begriff von dem tiefen Elend, in welches die Tyrannei Mehmed Alis dieses Land versetzt hat. Von den Pyramiden kann man durch alle Beschreibungen keinen vollkommenen Begriff erhalten; man muß diese Wunderwerke selbst gesehen haben, um über das Volk zu staunen, welches sie hervorgebracht hat, und zugleich alles Sonderbare und Geheimnisvolle zu fassen, welches sich an diese ewigen Denkmäler knüpft. Ich habe es unternommen^ von vier Beduinen geführt, in das Innere der großen Pyramide hinein zu gehen, oder vielmehr hinein zu kriechen, was äußerst beschwerlich ist. Ich drang bis in die Kammern vor, welche einem Pharao nach seinem Tode zur Wohnung dienen sollten; alles ist darin wunderbar und schauerlich, und das hohe Alterthum dieser Denkmäler, an denen so viele Generationen und Völker vorübergegangen sind, erregt die ernstesten und feierlichsten Gefühle. Ich bedaure jetzt, daß ich nicht die übrigen Pyramiden und die Ruinen von Theben besuchen kann. Auch dieses muß ich auf ein anderes Mal ersparen. Die Stadt Kairo bietet auch manche Denkmäler aus der späteren jüdischen Geschichte dar. In Alt-Kairo existirt eine uralte Synagoge, welche noch vor der Zerstörung Jerusalems

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