Mannheim
Compact Memory

Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1899-01-01 · 2 (1899) · p. Seite 193

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
2 (1899)
Article
Aus Salomon Munk's nachgelassenen Briefen
Date
1899-01-01
Page
Seite 193 (sequence 46)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
99% known words query
IRI
…/3111067-3111070-3111591--0572-3111830
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

193 darauf bestanden, daß wir nach Damaskus gehen sollten, um womöglich nun der Wahrheit auf die Spur zu kommen, aber Mo ntefiore und Cremieux, welche allein an der Spitze der Deputation stehen, finden es für jetzt nicht zweckmäßig, diese Reise zu unternehmen. Ich als bloßer Gehülfe des Herrn Crsmreux kann allein nichts ausrichten; vielleicht aber führt die Antwort, welche wir aus Damaskus erwarten, andere Entschlüsse herbei. — Ich habe heute noch viel nach Paris zu schreiben; auch muß ich Berichte an einige deutsche Blätter übersenden. Ich muß mich also kurz fassen, und will nur noch bemerken, daß wir dieser Tage einen Firman zu erlangen hoffen, in welchem der Pascha die auf den Gebrauch des Blutes gegründete Anklage ausdrücklich für absurd und grundlos erklären soll, wodurch er den ganzen Prozeß als ein Lügengewebe brandmarken würde. .. . 32. An die Mutter. Kairo, den 2. October 1840)i. Theuerste Mutter! Meine Reise nach Kairo und den Pyramiden nöthigre mich, zwei Dampfböte unbenutzt absegeln zu lassen; ich hoffe, daß diese Unterbrechung meiner Correspondenz Dich nicht beunruhigt hat, da ich sie Dir im Voraus in meinem Schreiben vom 6. September angekündigt habe. Außer Deinem lieben Briefe vom 2. August habe ich bis jetzt keine Nachricht von Dir erhalten; es ist indeß möglich, daß in Alexandrien Briefe für mich angekommen sind, und ich muß Geduld haben, bis ich wieder dahin zurückkehre. Hier in Kairo bin ich seit 14 Tagen, und ich habe hier die Zeit viel nützlicher und angenehmer zugebracht, als in Alexandrien. Hier erst habe ich den Orient in seiner wahren Gestalt gesehen und über viele Gegenstände mannigfache Belehrung gefunden. Kairo liegt in der Gegend, wo sich einst unser Erzvater Jakob mit seinen Söhnen aufhielt, und wo später seine Nachkommen unter dem Joche der Pharaonen schmachteten, bis sie von Moses erlöst wurden. Es sind nur wenige Tagereisen von hier nach der Wüste, in welcher der Berg Sinai liegt, und es ist mir wahrhaft schmerzlich, diese Gegenden verlassen zu müssen, ohne eine Reise durch die Wüste Sinai nach Jerusalem machen zu können, wie ich es anfangs wünschte und hoffte. Durch den in Syrien ausgebrochenen Krieg ist eine Reise dahin, welche ohnedies immer sehr beschwerlich ist, jetzt ganz unmöglich geworden; ich muß mich daher x) Zuerst gedruckt in Kleins Jahrbuch für 1847, S. 49 ff., hier nach der Urschrift berichtigt. 13

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.