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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1899-01-01 · 2 (1899) · p. Seite 192

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Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
2 (1899)
Article
Aus Salomon Munk's nachgelassenen Briefen
Date
1899-01-01
Page
Seite 192 (sequence 45)
Language
German
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192 31. An die Mutter. Alexandrien, den 6. September 1840. Theuerste Mutter! . . . Hoffentlich hast Du meine Briefe vom 6., 16. und 26. vorigen Monats erhalten, wodurch Du wenigstens über meine Person beruhigt sein konntest, wenn ich auch in Betreff unserer Angelegenheiten nichts Erfreuliches mitzutheilen hatte. Jetzt endlich habe ich die unaussprechliche Freude die Freilassung der Unglücklichen anzeigen zu können. Die bloße Gegenwart einer aus Europa kommenden Deputation hat diese Wohlthat bewirkt. Ich gebe hier eine wörtliche Uebersetzung des am 30. August von dem Vicekönig an den Gouverneur von Syrien erlassenen Befehls: „Aus der Vorstellung und dem Gesuche der Herren Montefiore und Cremieux, welche sich im Aufträge aller in Europa ansäsffgen mosaischen Glaubensgenossen zu uns verfügt, haben wir ihren Wunsch erkannt, daß den Juden, welche wegen der Untersuchung in Betreff der im Monat run^H 1255 zu Damaskus nebst seinem Diener Ibrahim verschwundenen Mönchs Pater Thomas verhaftet worden oder die Flucht ergriffen haben, Freiheit und Ruhe bewilligt werden möchte. Da nun in Rücksicht auf eine so zahlreiche Volksmenge, ihre Bitte und ihr Gesuch nicht füglich zurückgewiesen werden können, so sollen die Verhafteten in Freiheit gesetzt, und den Flüchtlingen Sicherheit zur Rückkehr gewährt werden. Ihr werdet die Handwerksleute in ihrer Arbeit und die Kaufleute in ihrem Handel wiederum ihre gewohnten Geschäfte treiben, lassen, und auf das Pünktlichste dafür sorgen, daß keinem einzigen unter ihnen, von welcher Seite es auch sein mag, irgend etwas zu Leide gethan werde, und daß sie ferner in Ruhe und Sicherheit verbleiben wie zuvor, und von allen Seiten zufrieden gelassen werden, wie es unser Wille ist." Somit ist wenigstens das Leben der Angeklagten gerettet, obgleich dieser Ausgang der Sache keineswegs unseren Wünschen entspricht. Wir wollten die Fortsetzung des Prozesses nach einer regelmäßigen Prozedur, aber der französische Consul that alles mögliche, um dies zu verhindern, und leider sind die französischen Beamten jetzt hier sehr mächtig, da der Pascha von Frankreich Hilfe erwartet. Dennoch gelang es dem Consul nicht, in den obigen Befehl das Wort Gnade hineinzubringen, wie er es versucht hatte. Wir protestirten dagegen und der Pascha befahl das Wort wegzulassen. Es ist also ein bloßes Aufheben des Prozesses, ohne irgend einen vernünftigen Grund. Jeder Unparteiische wird aber erkennen, daß unsere Feinde die Untersuchung fürchteten. Ich habe

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