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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1899-01-01 · 2 (1899) · p. Seite 191

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Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
2 (1899)
Article
Aus Salomon Munk's nachgelassenen Briefen
Date
1899-01-01
Page
Seite 191 (sequence 44)
Language
German
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191 nehmen, so nahm er doch die beiden Abgeordneten wiederum sehr freundlich auf, gab ihnen aber noch immer keine entscheidende Antwort, sondern versicherte bloß, daß er gerecht seyn werde, und daß er mit den Consuln das Nähere besprechen wolle. Wir wissen also noch immer nicht, wann wir nach Damaskus abreisen werden. Es ist die Gewohnheit des Vicekönigs alles in die Länge zu ziehen, und einen Jeden lange mit Versprechungen hinzuhalten, ehe er sich zu etwas entschließt, und so fürchte ich, daß wir hier viele Zeit unnütz verlieren. ... 30. An die Mutter. Alexandrien, den 26. August 1840. Theuerste Mutter! . . . Leider kann ich auch heute nichts Erfreuliches über den Gang unsrer Angelegenheit mittheilcn. Der Pascha hat noch immer keine entscheidende Antwort gegeben, und bei dem jetzigen Einfluß Frankreichs ist es kaum noch zu erwarten, daß wir unsere Sache hier durchsetzen, und daß der Pascha die früher versprochne Revision des Prozesses bewilligt. Unsere Hoffnung gründet sich jetzt einzig und allein aus die zwei österreichischen Unterthanen, welche in dem Prozeß verwickelt sind, und deren Sache nach ihren Landesgesetzen gerichtet werden muß. Dieses wird uns hoffentlich die Mittel in die Hände geben, dem ganzen Höllengewebe auf die Spur zu kommen. Noch eine andre Hoffnung ist uns in den politischen Ereignissen gegeben. Wenn der Pascha Syrien verliert, so wenden wir uns nach Constantinopel, wo uns der Sieg gewiß ist. In keinem Falle werden wir lange mehr in Alexandrien verweilen. Das Wahrscheinlichste ist, daß wir auf einige Tage nach Kairo gehen, und uns dann nach Constantinopel begeben, um dort die Begebenheiten abzuwarten, da für den Augenblick eine Reise nach Damaskus unnütz wäre und vielleicht auch, wenn Krieg ausbricht, unmöglich. Wir werden nicht unverrichteter Sache nach Europa zurückkehren, bis jede Hoffnung, Recht zu erlangen, dahin ist. Auf diesen Punkt sind wir aber Gottlob bei Weitem noch nicht gekommen, und wir vertrauen auf die Vorsehung, daß sie unserer gerechten und heiligen Sache den Sieg verleihen wird. . . . Ich habe für heute nichts weiter hinzuzufügen als die innigsten Glückwünsche zum herannahenden Neujahrsfeste. Möge der Himmel uns recht bald ein freudiges, glückliches Wiedersehen schicken, möge das nächste Jahr unser Volk für die Leiden des gegenwärtigen entschädigen. . . .

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