Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 2 (1899)
- Article
- Aus Salomon Munk's nachgelassenen Briefen
- Date
- 1899-01-01
- Page
- Seite 189 (sequence 42)
- Language
- German
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189 mit Gleichmuts doch mit Ergebung und Ruhe betrachtest, wie es sich von Deiner Klugheit und Deinem frommen Sinn erwarten ließ. Für mich wird sie, abgesehen von dem höheren Zweck, viel Interessantes und Belehrendes haben, und ich verspreche mir davon für meine speziellen Studien einen großen Nutzen. Du würdest noch weit sorgloser sein, wenn Du wüßtest wie man hier zu Lande von einer solchen Reise spricht; man betrachtet sie fast wie eine Spazierfahrt. — Ich habe schon in meinem vorigen Briefe gesagt, daß Madame Montefiore mitreist und muß nun noch hinzufügen, daß Madame Cremieux ebenfalls den Entschluß gefaßt hat, ihren Mann zu begleiten. . . . Ich bitte Dich nochmals, theuerste Mutter, jede Sorge fahren zu lassen, und möge Deine Einbildungskraft Dir nicht Gefahren vor die Sinne führen, die in der Wirklichkeit gewiß nicht für mich existiren. In meinem ersten Brief aus Alexandrien werde ich Dir hoffentlich die beruhigendsten Versicherungen geben können. ... 28. An die Mutter. Alexandrien, den 6. August 1840. Theuerste Mutter! Vorgestern sind wir nach einer vierzehntägigen Reise glücklich hier angelangt. Ich habe Dir von Malta aus geschrieben und Dir angezeigt, daß wir uns bis dahin des schönsten Wetters zu erfreuen hatten. Auch von Malta hieher ging es recht gut, obgleich wir 2 Tage lang eine recht stürmische See hatten. Doch war ich nicht einen Augenblick seekrank, und ich kann sagen, daß mich die Reise von Marseille nach Alexandrien weit weniger ermüdete, als die Reise im Postwagen von Paris nach Marseille. Herr Montefiore hat bereits eine Audienz beim Pascha oder Vicekönig gehabt, die aber ganz ceremoniell war und kein erhebliches Resultat hatte. Herr Cromieux soll morgen mit mir zum Pascha gehen, aber wir erfahren eben, daß dieser eine kleine Reise auf das Land machen soll, und es ist noch sehr die Frage, ob wir ihn vor seiner Abreise werden sehen können. Auf die Entscheidung des Pascha kommt alles an; nur mit einem Befehl von ihm ausgerüstet, der uns den Zugang zu den Verhafteten und das Abhören mancher wichtiger Zeugen möglich macht, können wir unsre Reise nach Damaskus antreten und dort etwas ausrichten. Wir fürchten sehr, die Sache möchte sich in die Länge ziehen, da der Pascha, welcher früher bereits die größte Hoffnung gegeben hatte, daß er die Angeklagten hier in Alexandrien vor einem neuen Gerichtshof werde erscheinen lassen, durch die Einflüsterungen des französischen Ministeriums wieder unschlüssig ge-