Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 2 (1899)
- Article
- Aus Salomon Munk's nachgelassenen Briefen
- Date
- 1899-01-01
- Page
- Seite 186 (sequence 39)
- Language
- German
- Belongs to
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— 186 — Luft gegriffen ist; ja, es ist nicht einmal erwiesen, ob der verloren gegangene Priester wirklich todt oder ob er nicht vielmehr in irgend einem Kloster versteckt ist. Wie dem auch sein mag, so war es ein christliches Komplott, bei welchem die Mohammedaner nur unbewußt als Werkzeuge dienten. Das schändliche Lügengewebe wird sich. Dank sei es dem edlen Eifer des österreichischen Konsuls, hoffentlich bald entwirren und es wäre möglich, daß wir den französischen Konsul nach einiger sZeitj als Angeklagten vor einem hiesigen Gerichtshof erblicken.. . . 25 An die Mutter. Paris, den 26. Juni 1840. Theuerste Mutter! . .. Daß ich das Schreiben san Dichj bis jetzt aufgeschoben, geschah darum, weil ich über eine ziemlich wichtige Angelegenheit sprechen wollte, die erst in den letzten Tagen zu einer sicheren Entscheidung gekommen ist. Ich bin nämlich dringend ersucht worden den Advokaten Cremieux, welcher nach Alexandrien reist, um dort den Prozeß der Juden von Damaskus zu leiten, als Sekretair und Dolmetscher zu begleiten, da er des Arabischen und Hebräischen unkundig, sich in jenem Lande durchaus nicht bewegen kann, und er jemanden bei sich haben muß, der nicht nur jener Sprachen kundig ist, sondern dem er sich auch vollständig anvertrauen kann, und der auch im Stande ist, ihn mit Rath in Betreff mancher jüdischer und arabischer Gesetze zu unterstützen. Es fand sich außer mir in Paris keine andere Person, welche alle jene Bedingungen erfüllen könnte, und da es sich hier um keine Privatsache, sondern um eine Angelegenheit handelt, welche die Gemeinsache der Juden geworden ist, so durfte ich meine Mitwirkung nicht verweigern. Ich würde mir dadurch einen gerechten Tadel zugezogen haben, der für immer auf mir gelastet hätte. Wir denken ungefähr in vierzehn Tagen abzureisen, vielleicht sogar noch etwas früher. Auch Herr Montefiore, einer der reichsten und angesehensten Juden der Londoner Gemeinde, geht mit uns in Begleitung seiner Frau, seines Arztes und Sekretairs, und von Livorno aus begleiten uns noch einige angesehene Mitglieder der dortigen Gemeinde. Ich werde mich also in einer zahlreichen und sehr interessanten Gesellschaft befinden. Die Reise macht man übrigens jetzt sehr schnell und sehr angenehm, indem von Marseille .aus regelmäßig alle 10 Tage ein Dampfschiff des Staates nach Alexandrien abgeht. Die ganze Reise dauert etwa 18 Tage. Dabei hält man sich aber an mehreren Orten einen ganzen Tag auf, wie z. B. in Livorno, Malta und Smyrna. Eine Reise nach dem Orient kommt mir in