Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 2 (1899)
- Article
- Aus Salomon Munk's nachgelassenen Briefen
- Date
- 1899-01-01
- Page
- Seite 185 (sequence 38)
- Language
- German
- Belongs to
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185 zu beschreiben, was ich hier gesehen habe.Ich will Dir nur so viel sagen, daß ich von der Größe der Stadt und von dem imposanten Anblick, welchen sie gewährt, keinen Begriff hatte. Das Großartige derselben überraschte mich so sehr, daß mir Paris fast ein Dorf scheint.Unter unfern Glaubensgenossen habe ich mich ziemlich viel umgesehen, habe auch den besucht, dessen Frau, wie er sagte, mit uns verwandt war. Im Allgemeinen habe ich unter den Juden nicht viel Erfreuliches hier gesehen, hie und da einige gebildete Leute, wenig oder gar keine ausgezeichnete Männer und die Masse zwar sehr religiös aber höchst ungebildet. Es giebt mehrere Straßen, die fast ganz von Juden bewohnt sind und einen Anblick gewähren, wie man ihn selbst in Posen und Lissa jetzt vergebens suchen würde. Es bleibt den Juden hier gewiß noch mehr zu thun übrig als in Polen, um die vollkommene Gleichstellung mit den Christen ertragen zu können. Sie genießen indeß doch schon weit mehr Freiheiten als wir deutsche Juden. 24 An die Mutter. Paris, den 31. Mai 1840. .... Was hier besonders unter den Juden jetzt viel Aufsehen macht, sind die traurigen Ereignisse in Damaskus, in welchen der französische Konsul eine so niederträchtige Rolle gespielt hat. Unter jedem anderen Ministerium wäre dieser Mensch schon abgesetzt und zur Verantwortung gezogen, aber leider steht jetzt grade einer der nichtswürdigsten politischen Männer2) an der Spitze, der zwar sehr liberal schwatzt, dem es aber an jedem moralischen Gefühl für Wahrheit und Recht gebricht. Er wird nun doch endlich gezwungen seyn etwas für die Sache zu thun; ich weiß aus sicherer Quelle, daß vor einigen Tagen sehr ernste Reklamationen von Seiten des Fürsten Metternich an das hiesige Ministerium gelangt sind. Nach den neusten authentischen Nachrichten von Alexandrien, hat die Verfolgung durch den dagegen erlassenen strengen Befehl des Vicekönigs bereits aufgehört. Die bisherige Prozedur gegen die Juden in Damaskus ist für null und nichtig erklärt. Alle durch die Tortur erpreßten Geständnisse sind bereits widerrufen, und es wird von neuem ein regelmäßiger Prozeß eingeleitet. Leider sind vier der Angeklagten unter den Martern gestorben. Es ist gar nicht zu bezweifeln, daß die noch Lebenden freigesprochen werden. Es ist bereits vom Vicekönig anerkannt, daß die Anklage aus der i) — Rabbiner. — 2) Bekanntlich ist von Thiers die Rede.