Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 2 (1899)
- Article
- Aus Salomon Munk's nachgelassenen Briefen
- Date
- 1899-01-01
- Page
- Seite 184 (sequence 37)
- Language
- German
- Belongs to
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22. An die Mutter. Paris, den 24. Mai 1835. Theuerste Mutter! .... Ich gedenke Paris in den ersten Tagen des Juli zu verlassen. Da es mir in den letzten Tagen gelungen ist, meine litterarischen Sammlungen sehr zu erweitern, und nunmehr ein sehr kurzer Aufenthalt in Oxford genügen würde, um meine Materialien zu einem Werke zu vervollständigen, welches für die orientalischen Studien im Allgemeinen und besonders für das Judenthum von der größten Wichtigkeit sein wird, so würde ich eine große Pflicht verletzen, wenn ich meiner eigenen Zrckunft und der Wissenschaft nicht dieses kleine Opfer brächte. Ich will also anfangs Juli eine kleine Reise nach England machen und meine Arbeit dort schleunigst vollenden, wenigstens das Unentbehrlichste, wozu mir 14 Tage bis 3 Wochen genügen. Ich trete dann ungesäumt meine Reise nach Schlesien an, wo ich im August einzutreffen gedenke, und wo ich weinen Aufenthalt bis über die Feiertage auszudehnen hoffe. Unterwegs werde ich mich wenig aufhalten.denn meine Reise hat keinen anderen Zweck als nur Dich und die Unsrigen wiederzusehen. Wenn es sich thun läßt, mache ich die Reise nach England noch früher, denn die Ungeduld, mit welcher ich der Stunde des glücklichen Wiedersehens harre, läßt mir nicht mehr die Muße zu ernsten Beschäftigungen, und ich würde mich auch der Arbeit in Oxford nicht unterziehen können, wenn sie irgend Anstrengung des Geistes erforderte und nicht bloß in einem materiellen Kopiren bestände, ich gewinne aber dadurch, daß ich in Deutschland bei meiner Ankunft etwas Positives versprechen kann und hoffentlich Subskribenten finde. 23. An die Mutter. London, den 2. August 1835. Theuerste Mutter! .... Ich bin bereits seit zehn Tagen in London, wo ich im besten Wohlsein angelangt bin. Da es mir nun einmal vergönnt war, diese Hauptstadt der Welt zu besuchen, so konnte ich den Wunsch nicht unterdrücken, wenigstens das Merkwürdigste zu sehen.In Oxford, wo ich morgen, so Gott will, ankomme, geht es wieder recht tüchtig ans Arbeiten. Oxford ist ein kleiner Ort, der durchaus keine Zerstreuungen darbietet. Ich kann mich dort ohne eine Störung meiner Arbeit widmen und sie dort vollenden. Der Oberbibliothekar war früher mein Schüler in Berlin, und an einen andern Direktor bin ich von hier aus sehr gut empfohlen. Zeit und Raum gestatten mir nicht. Dir hier den Eindruck zu schildern, welchen London auf mich gemacht und alles