Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 2 (1899)
- Article
- Aus Salomon Munk's nachgelassenen Briefen
- Date
- 1899-01-01
- Page
- Seite 183 (sequence 36)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 98% known words query
- IRI
…/3111067-3111070-3111591--0562-3111820- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
183 Es ist garnicht daran zn denken, die Handschriften nach Paris tommen zu lassen. Es wäre schon eine grobe Begünstigung, wenn ich sie in Oxford selbst außerhalb der Bibliothek benutzen könnte; denn man ist in dieser Beziehung in England-und in Deutschland weit weniger liberal als in Paris, wo ich fortwährend die Handschriften, die mich besonders interessiren, mit nach meiner Wohnung nehmen und nach Bequemlichkeit durchblättern oder abschreiben kann.— Die Seereise, welche Dir so viel Sorgen macht, verdient kaum, -eine solche genannt zu werden; sie dauert nur ein paar Stunden und wird hier als eine Spazierfahrt betrachtet. Doch alle diese Pläne find noch schwankend, nur das Eine habe ich fest bescklossen, eine Reise nach Schlesien zu machen. Alles übrige werden wir dann mündlich ausführlicher besprechen können, als es sich in Briefen thunläßt. MeinehiesigenVerhältnisse gestalten sich immer besser. Durch Meperbeers Vermittlung bin ich mit einem der bedeutendsten Blätter (1s Temps) in Verbindung getreten, wo ich Gelegenheit finden werde, mich von Zeit zu Zeit durch litterarische Artikel einem größeren Publikum bekannt zu machen; denn obgleich das Blatt ein politisches ist, so findet doch auch die Litteratur darin ihren Platz. , . . Mein Wunsch, an der Königlichen Bibliothek eine Anstellung zu erhalten, könnte sich durch diese Verbindungen vielleicht realisiren, das wäre immer ein guter Anfang .... In Deutschland ist ja für mich als Jude nichts zu hoffen .... Wir werden uns übrigens über alles dies mit Gottes Hilfe bald mündlich unterhalten. ... 21. An die Schwester Charlotte Danziger in Grünberg. Paris, den 6. Februar 1835. Theuerste Schwester! . . . Meine Reise nach England werde ich wohl für den Augenblick aufgeben, zumal da mich ein glücklicher Zufall vor wenigen Tagen in den Besitz des Manuskriptes gesetzt hat, welches die Hälfte der Dokumente enthält, um derentwillen ich nach Oxford gehen wollte. Sollte ich auch dahin reisen, so wird mir doch jetzt ein kürzerer Aufenthalt genügen. . . . Ich habe bereits angefangen an dem Journal 1s Temps zu arbeiten, und es kommt viel darauf an, daß ich vor meiner Abreise festen Fuß darin fasse. Nach Kurzem hoffe ich, an diesem Blatte Beschäftigung genug zu finden, um bequem davon leben zu können, ohne meine Zeit mit Stundengeben hinbringen zu müssen. . . .