Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 2 (1899)
- Article
- Aus Salomon Munk's nachgelassenen Briefen
- Date
- 1899-01-01
- Page
- Seite 178 (sequence 31)
- Language
- German
- Belongs to
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178 deutendes zu leisten, und dies hoffe ich mit Zuversicht, sobald nur meine Verhältnisse sich etwas vorteilhafter gestalten. Ich habe seit längerer Zeit ein Werk vor, durch welches ich mir einst um die orientalische Litteraiur einiges Verdienst zu erwerben hoffe. Die Vollendung dieses Werkes aber wird mehrere Jahre erfordern, und günstigere Verhältnisse als die, in welchen ich jetzt lebe. Auch werde ich genöthigt seyn, um die Materialien zu vervollständigen, früher oder später auf einige Monate nach England zu reisen. Daß ich mit diesem Plan umgehe, habe ich bereits dem Publikum angezeigt, und habe bei Gelegenheit einer andern kleinen Schrift, ein Specimen davon gegeben. Ich sage Dir dies Alles zur Erwiderung auf eine von Dir in Deinem ersten Schreiben gemachte Bemerkung. Der Gedanke, der mich aber vor Allem jetzt am meisten beschäftigt, ist der, eine Reise nach Schlesien zu machen und dort einige Zeit im Kreise der Unsrigen zuzubringen. Dieses Vorhaben werde ich, sobald es die Verhältnisse gestatten, gewißrealisiren; ich habe jetzt keinen sehnlicheren Wunsch, und die Erfüllung dieses Wunsches ist es, worauf ich vorzüglich hinarbeite. Ich will nun noch einiges zur Beantwortung Deines zweiten Briefes hinzufügen. Du wirst bereits aus meinem jüngst an die liebe Mutter gerichteten Schreiben ersehen haben, daß ich in Bezug auf Beers*) nicht Deiner Ansicht gemäß gehandelt habe, und daß Dein Rath übrigens zu spät kam. Obgleich die mir angebotene Summemich jetzt in den Stand gesetzt hätte, meine sehnlichsten Wünsche zu befriedigen, so konnte ich mich doch nicht entschließen, sie anzunehmen. Eben weil eine solche Summe mich für den Augenblick in mancher Beziehung glücklich machen könnte, wollte ich sie keinem Unglück verdanken; es lag in diesem Gefühle etwas, worüber ich mich durchaus nicht hinwegsetzen konnte. Hierzu kamen noch andre Rücksichten; die Wohlthaten, welche ich von dem seligen Michael Been genossen, lasteten schwer auf mir, zumal da er mir entrissen wurde, ehe es mir noch vergönnt war, ihm auf irgend eine Weise meine- Erkenntlichkeit an den Tag zu legen. Durch die Entsagung, welche ich mir jetzt auferlegte, fühle ich jene Last um ein Weniges erleichtert, und hatte dadurch Gelegenheit der Familie Beer einen sprechenden Beweis meiner wahren Gesinnung zu geben. Wer weiß übrigens, ob sich mir je wieder eine solche Gelegenheit darbietet, reichen Leuten den Wahn zu benehmen, als sey es in der Anhänglichkeit, welche ihnen Arme beweisen, am Ende doch auf i) Munk hatte nämlich die Annahme eines ihm von dem verstorbenen Michael Beer ausgesetzten Legates von tausend Thalern abgelehnt.