Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 2 (1899)
- Article
- Aus Salomon Munk's nachgelassenen Briefen
- Date
- 1899-01-01
- Page
- Seite 176 (sequence 29)
- Language
- German
- Belongs to
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176 ersah ich mit Bedauern, daß Dir die ungeschickte Zeitungsannonce einige Besorgniß verursacht hat. Doch glaube ich noch immer, daß die in Betreff der rfcp1) geäußerten Bedenklichkeiten mehr Scherz als Ernst sind. Du bildest Dir gewiß nicht ein, ich sei ein by'Z2) geworden oder habe mich als Profaner in eine vermeintlich heilige Wissenschaft eindrängen wollen. .Die Sache ist sehr einfach. Das Werk3), in welchem der Artikel steht, ist eine Sammlung, in welcher alle.Gegenstände der Litteratur, .Wissenschaft und Kunst nach alphabetischer Ordnung in der Kürze ubgehandelt werden müssen. Ich bin mit der Abfassung mehrerer Artikel beauftragt, welche die orientalische Litteratur und besonders das Judenthum betreffen. Zu dem letzteren, gehört natürlich auch die ftbzp, und ich konnte es nicht vermeiden, einen kurzen Aufsatz darüber zu liefern. Ja ich übernahm diese kleine Arbeit um so lieber, da man sie sonst irgend einem Skribenten würde aufgetragen haben, der dummes Zeug darüber geschwatzt und die Sache lächerlich gemacht hätte. Ich hingegen sagte darüber Einiges, was ich hie und da beiläufig gelernt hatte, ohne mich in ein tieferes Studium jener Wissenschaft eingelassen zu haben oder auch nur einlassen zu wollen, und suchte wenigstens die Sache auf die vortheilhafteste Weise für uns und sogar nicht ohne einigen Nachtheil für die christliche Kirche darzustellen. Ich bin überzeugt, daß Dir diese Erklärung vollkommen genügen wird. Diejenigen Personen, welche etwa jene Besorgniß in Dir erregt haben, können, wenn sie französisch verstehen, einige meiner Ansichten über diesen Gegenstand im zweiten Th eil der Bibel Nachlesen. Es freut mich, daß meine Aufsätze in der Bibel den Beifall einiger Kenner verdient haben; wenn einige Personen der Meinung sind, ich hätte mich über Manches zu frei ausgesprochen, so muß ich glauben, daß dieselben mich mißverstanden und den Zweck, welchen ich bei jenen Schriften im Auge gehabt, falsch aufgefaßt haben. Offenbar hatte ich die Absicht, den hohen Sinn und die Vorzüge der mosaischen Lehre selbst denjenigen darzuthun, welche nicht an die Göttlichkeit der heiligen Schriften glauben, und das Judenthum sowohl gegen gläubige als gegen ungläubige Christen in Schütz zu nehmen. Um Gegner von so verschiedener Art zu bekämpfen, mußte ich eine Sprache führen, die sich der reinen Vernunft am meisten nähert und so sprechen, daß mir weder von den Einen Unglauben, noch von den Andern Aberglauben zur Last gelegt werden konnte. Herr Aron, welcher gewiß in Glogau einer *) Kabbala. — 2) Wundermann. — 3) Es handelt sich um das Dictionaire de la conversation.