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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1899-01-01 · 2 (1899) · p. Seite 175

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Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
2 (1899)
Article
Aus Salomon Munk's nachgelassenen Briefen
Date
1899-01-01
Page
Seite 175 (sequence 28)
Language
German
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175 zu Zeit das Ueberflüssige anzunehmen, da dieses für einen jungen Menschen in Paris nichts taugt. 13. An die Mutter. Paris, den 12. Mai 1833. Jnnigstgeliebte Mutter! . . . Welchen andern Schmerz der Himmel über mich verhängt hat, hast Du aus meinem Brief an Weiß ersehen. Jenen Brief schrieb ich unter dem ersten Eindruck der schrecklichen Trauerpost *), ich bin zwar jetzt ruhiger geworden, aber das Andenken an den mir so plötzlich entrissenen Freund und Wohlthäter kann mich nur mit der tiefsten Wehmuth erfüllen. Es ist nicht der persönliche Verlust, den ich beweine; was mich am meisten erschütterte war die plötzliche Vernichtung einer so glänzenden Existenz, die noch so reich war an Hoffnungen, und noch so manches andere Dasein hätte beglücken können. Die Brüder waren auf die erste Nachricht von seiner Krankheit schleunigst nach München gereist, als sie ankamen, fanden sie ihn bereits entseelt am Boden, und hatten nur noch den leidigen Trost, der Beerdigung beizuwohnen. Herr Wilhelm Beer hatte die Aufmerksamkeit, mir sogleich von München aus zu schreiben, damit ich — wie er sagte — den unglücklichen Fall nicht plötzlich durch die Zeitungen erfahren möchte. Aber das Verhängniß wollte, daß ich den Schmerz in seiner ganzen Bitterkeit empfände, denn da Herr Beer meine Adresse nicht genau angegeben hatte, so erhielt ich seinen Brief um 3 Tage zu spat. In der Besorgniß, das Hinscheiden seines Bruders könnte vielleicht auf meine Lage einen unmittelbaren Einfluß haben, bittet er mich, das Verhältniß, in welchem ich zu dem Seligen stand, zu ihm und seinen Brüdern weiter fortzusetzen. Was über diesen Punkt meine Antwort war, kannst Du leicht denken. Die Verpflichtungen, die ich gegen den Verstorbenen habe, lasten noch zu schwer auf mir, als daß ich nun noch neue auf mich laden sollte. Welcher Schmerz für die alte Mutter! Der Selige war ihr Liebling. Ich habe ihr nicht geschrieben, habe aber Herrn Wilhelm Beer den Grund davon angegeben. Trost kann ich ihr nicht gewähren. Ihre Bekanntschaft machte ich hier durch den geliebten Sohn, der ihr entrissen worden, und wie sehr muß ihr jedes Wort von mir das Herz zerreißen. Wie wenig beneidenswerth ist nun ihr Loos trotz ihrer glänzenden äußeren Lage. . . . 14. An die Mutter. Paris, den 4. Juni 1833. Theuerste Mutter! . . . Aus dem ersten Deiner beiden Briefe i) Es handelt sich um den Tod Michael Beers (gest. 22. März 1833).

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