Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 2 (1899)
- Article
- Aus Salomon Munk's nachgelassenen Briefen
- Date
- 1899-01-01
- Page
- Seite 172 (sequence 25)
- Language
- German
- Belongs to
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172 ivärtigen Lage bleibt, für nichts zu sorgen brauchte, und mich ruhig mit litterarischen Arbeiten beschäftigen könnte. Du kennst, liebe Mutter, meine Ansichten hierüber, und ich glaube, daß Du sie mit mir theilst. Wie groß auch mein Vertrauen zu dem Edelmuth und zu der Aufrichtigkeit des Herrn Beer sein mag, so hat doch das Bewußtsein, mir meinen Unterhalt durch eigene Thätigkeit zu erwerben, eine gewisse Beruhigung für mich, deren Verlust mir durch jene Sorgenlostgkeit nicht ersetzt werden würde. Ein eigentlicher Zweck ist freilich in keinen Mon beiden Verhältnissen, doch nähert sich die Art von Unabhängigkeit, in der ich jetzt bin, etwas mehr dem, was man Zweck nennen kann. Wenigstens bringe ich meine. Zeit in Paris immer mit einigem Nutzen für mein Fach hin, und obgleich ich übrigens sehr gern reise und die Welt sehe, so muß ich doch gestehen, daß, wenn es sich darum handelte, Paris gänzlich zu verlassen, ich es nur dann mit Vergnügen thun würde, wenn es mir vergönnt wäre, es mit meiner Heimath zu vertauschen. 9. An die Mutter. Thiers (Puy de Dome), den 14. September 1832. Jnnigstgeliebte Mutter! Obgleich wir auf mein jüngstes Schreiben noch keine Antwort zu Theil geworden, so kann ich mir doch das Vergnügen nicht versagen, da ich heute an Charlotten schreibe, auch einige Zeilen an Dich beizulegen. Ich hoffe, liebe Mutter, daß ich Dich durch meine Reise aller Sorgen um mich überhoben habe, ich bin nun über vierzig Meilen von der cholerakranken Stadt Paris entfernt, in einer Gegend, wo die Krankheit nicht eingedrungen ist. Die reine, gesunde Luft stärkt mich an Körper und Geist, ich arbeite mehr als in Paris, und doch bleibt mir mehr Zeit zur Erholung übrig, es behagt mir in meinem kleinen, freundlichen Städtchen weit besser als in dem unermeßlichen, geräuschvollen Paris, wo man einen großen Theil der Zeit mit Hin- und Herlaufen verliert, und oft der Tag hingeht, ohne daß man etwas Ordentliches gethan hat. Ich denke oft, wie glücklich ich wäre, in Glogau oder in Grunberg leben zu können, es bedürfte hierzu nur eines kleinen Aemtchens und einer guten Bibliothek; ich kann Dich versichern, liebe Mutter, dies ist die größte irdische Seligkeit, die mir im Geiste vorschwebt. Obgleich mit Arbeiten beschäftigt, zu denen ich nur in großen Städten hinreichende Hilfsquellen finden kann, würde ich mich gern entschließen, etwa die Leitung einer Schule oder ein ähnliches Amt in Schlesien zu übernehmen, wenn ich eine angemessene Stelle dort finden könnte. Dieser Gedanke, der mich fortwährend beschäftigt, ist hier noch mehr in mir rege geworden, wo ich im Genüsse einer reizenden