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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1899-01-01 · 2 (1899) · p. Seite 171

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Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
2 (1899)
Article
Aus Salomon Munk's nachgelassenen Briefen
Date
1899-01-01
Page
Seite 171 (sequence 24)
Language
German
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171 nicht so pünktlich auf die Tage zählen darf, an denen man Briefe erwartet. Freilich hatte ich das Unrecht nicht zu bedenken, daß eine Gefahr, an die man hier kaum noch denkt, in der Ferne durch Zeitungsblätter und besonders durch die Imagination bedeutend -vergrößert werden mag; aber die Erfahrung hat Dich so oft gelehrt, wie Deine Einbildungskraft Dich mit bloßen Chimären beunruhigte, daß ich nicht begreife, wie diese noch im Stande ist, dann und wann Dein Vertrauen auf die Vorsehung wankend zu machen. Ich kann Dir Gottlob auch heute, wie in meinem vorigen Schreiben, die Versicherung geben, daß ich beim vollkommensten Wohlsein bin. Die Cholera hat noch nicht ganz aufgehört, aber man befürchtet keinen neuen Rückfall, und sie trifft nur hie und da noch eine kränkliche oder unvorsichtige Person. Uebrigens kann ich Dir zu Deiner vollkommneren Beruhigung noch sagen, daß ich in einigen Tagen Paris verlassen werde, um einige Wochen in einer der schönsten und gesundesten Gegenden Frankreichs zuzubringen. Da ich nämlich während der Ferien hier fast ohne Beschäftigung bin, so habe ich mich engagirt, auf einige Wochen nach dem Departement Puy de Dome zu gehen, um mit einem Knaben aus Paris, der die Ferien dort zubringt, seine Schulstudien während dieser Zeit fortzusetzen. Da mir die Stunden gut bezahlt und die Reisekosten vergütet werden, so benütze ich gern diese Gelegenheit, um einmal auf einige Zeit die geräuschvolle Hauptstadt zu verlassen. Außerdem trete ich dadurch mit einer der angesehensten Familien in Verbindung, deren Bekanntschaft mir vielleicht von großem Nutzen sein kann. Vor einigen Tagen erhielt ich ein Schreiben von Herrn Beer, welcher sich gegenwärtig in Baden befindet. Er lud mich ein, zu ihm zu kommen, und mit ihm den Winter entweder in München oder in Italien zuzubringen. Ich konnte vorläufig nicht einwilligen, da ich das oben erwähnte Engagement bereits übernommen hatte. Ob ich später einwillige, das wird von den mehr oder weniger vortheilhaften Aussichten abhängen, die sich mir nach der Rückkehr von meiner jetzigen Reise, hier in Paris für den Winter eröffnen werden. Obgleich die Reise mit Herrn Beer sehr viel Angenehmes für mich haben kann, so bin ich doch im ganzen aus schon oft berührten Gründen nicht sehr dazu geneigt, zumal da sie in eine Zeit fällt, wo es mir hier selten an Beschäftigung gebricht. Herr Beer, der es wohl weiß, daß ich darum nicht gern eine Reise mit ihm machen möchte, weil ich befürchte, dann wieder auf längere Zeit zu seiner Großmuth meine Zuflucht nehmen zu müssen, sucht mich in seinem Schreiben im voraus darüber zu beruhigen, indem er mir zu verstehen giebt, wie wenig Aufopferung ihn das koste, und wie ich, wenn ich nur wollte, so lange er in seiner gegen-

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