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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1899-01-01 · 2 (1899) · p. Seite 167

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Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
2 (1899)
Article
Aus Salomon Munk's nachgelassenen Briefen
Date
1899-01-01
Page
Seite 167 (sequence 20)
Language
German
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— 167 — Ich gedenke noch bis gegen die Mitte des October hier zu bleiben; wie sich von selbst versteht, werde ich einige der herannahenden Festtage in der Stadt zubringen oder vielleicht in einem benachbarten Dorfe, wo Glaubensgenossen wohnen. Wollte der Himmel, ich hätte eben so wenig Anlaß um Dich und die Unsrigen besorgt Zu sein als Du um mich. Dein lieber Brief ist freilich sehr beruhigend, aber die öffentlichen Blätter sind es nicht. Die Unruhen in Königsberg bekümmern mich weit weniger als die dort ausgebrochene Cholera, man weiß hier recht gut, daß die Krankheit sowohl dort bedeutend um sich gegriffen als auch weiter nach unserer Provinz vorgeschritten ist. Möge der Himmel unser Land beschützen, welches eine feige Begünstigung der Tyrannei dem Einzüge dieser Plage geöffnet hat, und möge er die Schuldlosen verschonen. Vor einem Unglück hat uns wahrscheinlich die Cholera geschützt, nämlich vor einem allgemeinen Kriege, dieser ist wohl jetzt nicht zu besorgen, und wir haben uns lange in dieser Beziehung unnöthigen Kummer gemacht. ... 5 An die Mutter. Paris, den 23. Oktober 1831. Theuerste Mutter! Ich bin dieser Tage von meiner Landwohnung nach Paris zurückgezogen. Das Ein- und Auspacken, sowie das Ziehen machte mir viel zu schaffen, und ich war deshalb genothigt, die Beantwortung Deiner lieben Briefe etwas länger, als ich es gewünscht hätte, zu verschieben. . . . Der Untergang Polens ist herzzerbrechend für einen Jeden, der menschlich fühlt. Aber die Flamme glimmt unter der Asche fort und wird wohl früh oder spät von neuem Hervorbrechen. — Doch ich will die Politik bei Seite lassen und noch einiges über mich selbst hinzufügen, da ich eitel genug bin, zu glauben, daß Dich in meinen Briefen das, was meine Person betrifft, mehr interessirt als die Politik oder sonstige Neuigkeiten aus Paris. Ich habe nun vor allen Dingen zu bemerken, daß mir der Aufenthalt auf dem Lande, trotz der Entbehrung, die ich mir oft daselbst auflegen mußte, sehr zuträglich war, und daß ich mich wohler befinde als je zuvor. Ich hatte mich fast immer des schönsten Wetters zu erfreuen, und der heitere Himmel, sowie die herrliche Gegend um mich her hatten auf Körper und Geist den erfreulichsten Einfluß. Hier in Paris habe ich nicht wieder meine frühere Wohnung bezogen. Ich wohne jetzt in der schönsten' Straße von Paris und in dem gesundesten Theil der Stadt, nämlich in der Rue de Rivoli, dem Garten der Tuilerien gegenüber und habe die Aussicht nach den Elyseischen Feldern. Ich hin hier fast so gut wie auf dem Lande und habe zugleich

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